Politischen Gefangenen in den USA und ihrer militanten Geschichte http://dragons.blogsport.de Ein weiteres tolles WordPress Blog Tue, 22 Jan 2013 15:49:27 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Stencil-Ausstellung zu politischen Gefangenen http://dragons.blogsport.de/2013/01/21/stencil-ausstellung-zu-politischen-gefangenen/ http://dragons.blogsport.de/2013/01/21/stencil-ausstellung-zu-politischen-gefangenen/#comments Mon, 21 Jan 2013 20:35:50 +0000 Administrator Allgemein http://dragons.blogsport.de/2013/01/21/stencil-ausstellung-zu-politischen-gefangenen/ drache Im Rahmen der Rundreise mit Dan Berger wurde auch eine Austellung mit Stencils von sechs politischen Langzeitgefangenen gezeigt. Im folgenden dokumentieren wir die Austellung und Kurzbiographien zu den sechs Gefangenen.

Mumia Abu Jamal wurde 1954 in Philadelphia, Pennsylvania geboren. Er ist ein linker Journalist und ehemaliger Black-Panther-Aktivist. Er wurde 1981 verhaftet und wegen einem untergeschobenen Polizistenmord zum Tode verurteilt. Aufgrund weltweiter Proteste setzten die Behörden mehrfach unterschriebene Hinrichtungsbefehle aus und in Berufungen vor Bundesgerichten wurde die Todesstrafe gegen Mumia wiederholt als Verfassungsbruch eingestuft. Am 7. Dezember 2011 gab die Staatsanwaltschaft endgültig auf und verzichtete auf eine weitere Verfolgung der Hinrichtung. Mumia soll nach dem Willen der Justiz bis an das Ende seines Lebens inhaftiert bleiben, allerdings nicht mehr in Hochsicherheitsgefängnissen, sondern im „Normalvollzug“.

David Gilbert wurde 1944 nahe Boston, Massachusetts geboren. Er gehörte zu den MitgründerInnen des Aktionskomitees gegen den Vietnam-Krieg und des örtlichen SDS. Er schloss sich 1970 der Weather Underground Organisation an und ging in die Illegalität. Am 20. Oktober 1981 war er an einem Überfall auf einen Geldtransporter beteiligt, wurde festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Sundiata Acoli wurde 1937 in Decatur, Texas geboren. 1968 schloss er sich der Black Panther Party in Harlem an. 1969 wurde er verhaftet und 20 weitere Mitglieder und angeklagt, Bombenattentate auf Kaufhäuser, U-Bahnen und Polizeistationen geplant zu haben. 1971 spricht ein Gericht sie in allen Punkten der Anklage frei. Acoli gründete zusammen mit Assata Shakur und anderen die klandestine Organisation Black Liberation Army. 1973 wurde er verhaftet, wegen Polizistenmordes angeklagt und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Romaine Fitzgerald wurde in Compton, Kalifornien geboren. Der Black Panther Aktivist und politische Gefangene Romaine „Chip“ Fitzgerald sitzt seit über 40 Jahren in Kalifornien, USA im Gefängnis. Er wurde 1969 verhaftet und wegen angeblichen Mordes an einem Security-Mitarbeiter und versuchten Mordes an einem Polizisten angeklagt.

Oscar Lopez Rivera
wurde 1943 in San Sebastian, in Puerto Rico geboren. Er ist ein Aktivist der Unabhängigkeitsbewegung für Puerto Rico, die gegen die Verwaltung der Karibikinsel durch die USA kämpft. 1975 musste er in den Untergrund gehen. Er wurde 1981 durch das FBI festgenommen und wegen „aufrührerischer Verschwörung“ zu 55 Jahren Haft verurteilt.

Leonard Peltier
wurde 1944 in Grand Fork, North Dakota geboren. Er ist ein Aktivist des American Indian Movement, das sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung in den USA einsetzt. Er ist seit 1976 in Haft. Bei einem Zusammenstoß zwischen dem FBI und in der Pine Ridge Reservation lebenden Native Americans wurde er und weitere Aktivisten beschuldigt, zwei FBI-Agenten in zivil erschossen zu haben.

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Bericht von Rundreise mit Dan Berger aus den USA http://dragons.blogsport.de/2013/01/21/bericht-von-rundreise-mit-dan-berger-aus-den-usa/ http://dragons.blogsport.de/2013/01/21/bericht-von-rundreise-mit-dan-berger-aus-den-usa/#comments Mon, 21 Jan 2013 16:36:31 +0000 Administrator Allgemein http://dragons.blogsport.de/2013/01/21/bericht-von-rundreise-mit-dan-berger-aus-den-usa/ drache Im Januar 2013 fanden in Berlin, Stuttgart, Frankfurt am Main und Hamburg vier Veranstaltungen mit dem US-amerikanischen Aktivisten Dan Berger statt. Er berichtete zunächst über die sozialen und revolutionären Kämpfe der 1960er und 1970er in den USA. Seit der gewaltsamen Zerschlagung dieser Bewegungen durch FBI und Justiz gibt es sehr viele politische Langzeitgefangene. Dan Berger beschrieb den darauf folgenden Einstieg der US-Behörden in die Masseninhaftierung, der sich am stärksten gegen die Communities richtete, die sich vorher an den Aufständen beteiligt hatten. Mit der industriellen Ausbeutung der Gefangenen und der Privatisierung des ehemals staatlichen Justizvollzuges ist inzwischen die größte Gefängnispopulation der Welt entstanden. Ein Viertel aller Gefangenen weltweit sitzen derzeit in den USA ein und werden im Gefängnisindustriellen Komplex. Seit einigen Jahren hat in den USA eine Kampagne zur „de-carceration“, auf Deutsch „De-Haftierung“ begonnen, die sich für die Freiheit aller Gefangenen einsetzt und dabei sowohl in Organisierung als auch Mitteln an den Erfahrungen der Black Power Bewegung orientiert. Außerdem gab es bei der Veranstaltungsreihe Beiträge von vier politischen Langzeitgefangenen, die ihre Sicht zum Thema beisteuerten: Mumia Abu-Jamal (ehemals Black Panther Party, Journalist, seit 1981 inhaftiert), Sundiata Acoli (ehemals Black Panther Party und Black Liberation Army, seit 1973 inhaftiert), David Gilbert (ehemals Weather Underground, seit 1981 inhaftiert) und Oscar Lopez Rivera (puertorikanischer Widerstand, seit 1981 inhaftiert). Des Weiteren wurde eine Ausstellung mit Stencils von sechs politischen Langzeitgefangenen gezeigt.

Längerer Bericht mit Fotos bei Indymedia

Fotos von der Veranstaltung im Rahmen der Rosa-Luxemburg-Konferenz


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Informationen zum Referenten der Rundreise http://dragons.blogsport.de/2012/12/05/informationen-zum-referenten-der-rundreise/ http://dragons.blogsport.de/2012/12/05/informationen-zum-referenten-der-rundreise/#comments Wed, 05 Dec 2012 08:37:51 +0000 Administrator Allgemein http://dragons.blogsport.de/2012/12/05/informationen-zum-referenten-der-rundreise/  alt=Dan Berger, ist Schriftsteller, Aktivist und professor of ethnic studies at the University of Washington at Bothell. Er schreibt über race and created antiracist social movements targeting their confinement. Berger ist Autor des Buches Outlaws of America. Der Enkel von Holocaust-Überlebenden war Mitbegründer der anarchistischen Viertelsjahrespublikation Onward Newspaper und ist Aktivist gegen Krieg, Rassismus und den Gefängnisindustriellen Komplex. Seit langer Zeit unterstütz er die politischen Gefangenen in den USA.

Veröffentlichungen in deutsch:

Bücher

Kampf im Herzen der Bestie – Militanter Widerstand in den USA
Erschienen in der EDITION PROVO des Laika Verlages
ISBN: 978-3-942281-88-1

Aufsätze

Die wahren Drachen
Erschienen im Buch: The Weather Underground
In der Reihe BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS des Laika Verlages
ISBN: 978-3-942281-75-1

Der Platz des Weather Underground in der Geschichte
Erschienen im Buch: The Weather Underground
In der Reihe BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS des Laika Verlage
ISBN: 978-3-942281-75-1

Weitere Infos zu ihm findet ihr auf seiner Hompage: www.danberger.org

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Rundreise zu Politischen Gefangenen in den USA und ihrer militanten Geschichte http://dragons.blogsport.de/2012/11/23/rundreise-zu-politische-gefangene-in-den-usa-und-ihre-militante-geschichte/ http://dragons.blogsport.de/2012/11/23/rundreise-zu-politische-gefangene-in-den-usa-und-ihre-militante-geschichte/#comments Fri, 23 Nov 2012 19:55:27 +0000 Administrator Allgemein http://dragons.blogsport.de/2012/11/23/rundreise-zu-politische-gefangene-in-den-usa-und-ihre-militante-geschichte/ drache Im Januar 2013 findet eine viertägige Rundreise mit dem linken US-amerikanischen Aktivisten und Autor Dan Berger statt. Dan Berger wird vom 12. Januar bis zum 15. Januar 2013 auf Veranstaltungen in Berlin, Stuttgart, Frankfurt am Main und Hamburg über das Gefängnissystem, die politischen Langzeitgefangenen in den USA und ihre militante Geschichte berichten. Es wird bei der Veranstaltungsreihe auch schriftliche Beiträge der politischen Gefangenen Mumia Abu Jamal, David Gilbert, Sundiata Acoli und Oscar López Rivera geben.

Samstag | 12.1.2013 | Berlin | Rosa-Luxemburg Konferenz

URANIA-Haus | An der Urania 17 | Ab 10 Uhr

Sonntag | 13.1.2013 | Stuttgart

Linkes Zentrum Lilo Herrmann | Böblinger Str. 105 | 19 Uhr

Montag | 14.1.2013 | Frankfurt am Main

Cafe ExZess | Leipzigerstr.91 | 20 Uhr

Dienstag | 15.1.2013 | Hamburg

centro social | Sternstraße 2 | 19 Uhr

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Aufruf zur Rundreise http://dragons.blogsport.de/2012/11/23/aufruf-zur-rundreise/ http://dragons.blogsport.de/2012/11/23/aufruf-zur-rundreise/#comments Fri, 23 Nov 2012 19:48:56 +0000 Administrator Allgemein http://dragons.blogsport.de/2012/11/23/aufruf-zur-rundreise/ drache

Wenn sich die Gefängnistore öffnen, fliegen die wahren Drachen heraus – Politische Gefangene in den USA und ihre militante Geschichte

Im Januar 2013 findet eine viertägige Rundreise mit dem linken US-amerikanischen Aktivisten und Autor Dan Berger statt. Dan Berger wird vom 12. Januar bis zum 15. Januar 2013 auf Veranstaltungen in Berlin, Stuttgart, Frankfurt am Main und Hamburg über das Gefängnissystem, die politischen Langzeitgefangenen in den USA und ihre militante Geschichte berichten.

Politische Gefangene in den USA

Mehrere tausend AktivistInnen der neuen linken Bewegungen wurden seit den 1960er Jahren verhaftet, weil sie eine grundlegende Veränderung der Machtverhältnisse innerhalb der USA anstrebten. Einige AktivistInnen wurden vom Staat offiziell mit der Todesstrafe hingerichtet. Seit jeher wurden Gefängnishaft und Todesstrafe dazu eingesetzt, politischen Widerstand zu unterdrücken und den gesellschaftlich marginalisierten Gruppen deutlich zu machen, wo der ihnen zugedachte Platz ist. Kein Gefangener im Todestrakt der USA ist reich genug gewesen, um sich eine adäquate Verteidigung leisten zu können. Gefängnisse in den USA sind zudem Orte der rassistischen Unterdrückung. Die USA haben heute die höchste Gefangenenrate der Welt. Mehr als 2,4 Millionen US-AmerikanerInnen befinden sich heute hinter Gittern und weitere 4,8 Millionen stehen unter staatlicher Aufsicht. Kein anderer Staat der Erde kommt auf ähnliche Inhaftierungsraten, weder real noch im prozentualen Vergleich zur eigenen Bevölkerungsgröße.

Politische Gefangene werden in den USA häufig lebenslang weggesperrt. Es gibt hunderte linke Langzeitgefangene in den USA. Die politischen Gefangenen nehmen in den Kämpfen der linken Bewegung in den USA deshalb eine wichtige Rolle ein. Die Inhaftierung der politischen Gefangenen drückt den Terror staatlicher Repression aus, aber sie zeigt auch gleichzeitig das andere Amerika, welches eine Gesellschaft jenseits von Kapitalismus, Patriarchat, Imperialismus und Rassismus anstrebt.

Staatliche Gewalt gegen linken Widerstand

Die gegen Befreiungsbewegungen und Stadtguerilla-Gruppen praktizierte Repression wurde ab Ende der 1970er Jahre auch systematisch auf die sozialen Bewegungen der USA ausgeweitet. Dabei folgten die „Beweisführungen“ der Behörden meist demselben Muster, egal ob es kritische Journalisten wie der aus Philadelphia stammende Mumia Abu-Jamal, ökologische AktivistInnen wie die MOVE-Organisation, AnarchistInnen des nördlichen Westens, TierrechtsaktivistInnen oder in den letzten Jahren verstärkt Anti-MilitaristInnen waren, die in das staatliche Fadenkreuz gerieten.

Mumia Abu-Jamal kommentierte zur Frage der aktuellen Auswirkungen von COINTELPRO in einem Beitrag für eine Konferenz gegen tödliche Polizeigewalt 2011 in Kalifornien: „Fast jede damalige Aktion, die Einbrüche, die Abhörmaßnahmen, oder die vom FBI als „Black Bag Jobs“ (dt: verdeckte Taschentricks) bezeichnete Spionage, sogar Morde und Entführungen – nun, all das war nach damaliger Gesetzeslage in vielen Bundesstaaten illegal. AgentInnen wurden gewarnt, dass sie ohne Unterstützung ins Gefängnis gingen, falls sie erwischt würden. Was für einen Unterschied ein paar Jahrzehnte machen. Unter dem sogenannten „Patriot Act“ sind fast alle damals illegalen Methoden heute legal, weil der Kongress es aus Angst nach dem 11. September einfach durchgewunken hat, ohne es zugegebenermaßen überhaupt zu lesen. Und ja, die Obama-Regierung ist darauf aus, das erneut zu bewilligen. Geheimes Mithören, „Black Bag Jobs“, Geheimgefängnisse, Bewegungen durch Spitzel und Informanten zerstören und denunzierende Konzernmedien – das alles sind Bestandteile eines nationalen Sicherheitsstaates.“

Die Geschichte der revolutionären Linken in den USA zeigt, dass jede revolutionäre Bewegung damit rechnen muss, von den Repressionsapparaten kriminalisiert zu werden. Ziel des Staates ist es, solche Bewegungen schon in den Anfängen zu zerschlagen – schließlich ist es die Aufgabe jedes Staates die bestehende Herrschaft aufrechtzuerhalten. In den USA startete die Staatsgewalt eine systematische Kampagne, die revolutionäre Bewegung zu diskreditieren, zu spalten und zurückzuwerfen. In einem Memorandum skizzierte der damalige FBI-Direktor J. Edgar Hoover 1969 einen Plan, „die Organisationen der Neuen Linken, ihre Führer und ihre Anhänger an die Öffentlichkeit zu bringen, ihre Aktivitäten zu stören und mit allen möglichen Mitteln zu neutralisieren“. So zeigt die Geschichte auch, dass der Staat nicht davor zurückschreckt, durch illegale Aktionen, wie Infiltration und Sabotage seine Interessen zu verteidigen und revolutionäre Bewegungen zu schwächen.

Der gefängnisindustrielle Komplex

Parallel zur Zerschlagung revolutionärer Bewegungen und klandestiner Stadtguerilla-Gruppen begann die neoliberale Privatisierung gesellschaftlicher Bereiche. In Public Private Partnerships (PPP) sorgten PolitikerInnen gemeinsam mit Konzernen ab Ende der 1970er unter anderem dafür, die ohnehin nur rudimentär vorhandenen Sozialstaatseinrichtungen der USA komplett abzuschaffen. Die daraus resultierende Armut des unteren Drittels der Bevölkerung wurde in einem von Konzernmedien unterstützten „Law And Order“-Diskurs kriminalisiert und Angehörige dieser zumeist aus den Gemeinden der People of Color stammenden Verurteilten zu Hundertausenden in Gefängnisse gesteckt. Seit Mitte der 1980er ist in den USA eine Masseninhaftierung von vorher unbekanntem Ausmaß zu beobachten. Die einzelnen Bundesstaaten als auch die föderale Regierung entwickelten in PPPs mit Konzernen seitdem eine staatlich-private Gefängnisindustrie, die bis heute zum drittgrößten „Arbeitgeber“ und zu einem der größten Binnenindustriezweige der USA gewachsen ist. Ein Viertel der Gefangenen weltweit ist derzeit in den USA inhaftiert – dort werden knapp 2,5 Millionen Gefangene zum großen Teil durch Zwangsarbeit ausgebeutet und ihre Arbeitskraft auch gegen gewerkschaftliche Forderungen „draußen“ in Stellung gebracht. Für viele KritikerInnen ist das nichts anderes als die 1865 offiziell abgeschaffte, aber bis heute unter anderem Namen praktizierte Sklaverei.

Die Frage der Masseninhaftierung ist ohne ein Verständnis des durch Repression erzwungenen „Konsens ohne Zustimmung“ nur schwer nachvollziehbar. Eine linke Bewegung, die innerhalb der westlichen Industriestaaten für die Überwindung kapitalistischer Herrschaft und für eine klassenlose Gesellschaft kämpft, wird sich immer und überall ähnlichen Angriffen ausgesetzt sehen, wie sie in den USA gegen jede grundsätzliche Opposition seit 1952 (dem Beginn von COINTELPRO) praktiziert wurden und inzwischen ebenfalls gegen große Teile der Bevölkerung eingesetzt werden.

Freiheit für alle politischen Gefangenen

Auch heute befinden sich in den USA noch immer AktivistInnen der 1960er Jahre in Gefängnissen. Dazu gehören zum Beispiel Mumia Abu Jamal, David Gilbert, Sundiata Acoli und Oscar López Rivera. Die politischen Gefangenen von damals stellen eine direkte Verbindung zwischen den Bewegungen von gestern und heute dar. Die Durchsetzung der Freiheit der politischen Gefangenen schließt unsere eigene Befreiung mit ein. Eine politische Bewegung, welche die grundsätzliche Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse anstrebt, wird sich – unter anderem – auch daran messen lassen müssen, inwieweit sie in der Lage ist, gefangene GenossInnen zu befreien.

Wir möchten mit dieser Veranstaltungsreihe zum einen für ein tieferes Verständnis von Widerstand und Repression in den USA beitragen, indem wir neben Dan Berger auch kämpfende Gefangene selbst zu Wort kommen lassen. Zum anderen geht es aber auch um das Ausmaß staatlicher Bereitschaft zur Niederschlagung grundsätzlich oppositioneller Bewegungen. Wir denken, dass es wichtig sein kann, diese us-amerikanischen Erfahrungen in den Kampf für eine Gesellschaft jenseits von Kapitalismus, Patriarchat, Imperialismus und Rassismus mit ein zu beziehen.

Informationen zu den politischen Bewegungen in den USA:

The Wretched of the Earth – Die Verdammten dieser Erde

Mit dem Sieg antikolonialer Kämpfe ab Mitte des 20. Jahrhunderts, wie zum Beispiel in China, Kuba und Algerien, entwickelten sich auch in den USA neue Bewegungen der unterdrückten AfroamerikanerInnen, Chicanas und der Indigenen. Diese Bewegungen sahen eine Parallele zwischen ihrer Situation in den USA und der Unterdrückung innerhalb der kolonialen Länder. Sie wurden dabei auch vom Sozialismus der jungen Staaten, die sich vom Kolonialismus befreit hatten, beeinflusst.

In den USA entstanden in den 1960er und 1970er Jahren verschiedene Stadtguerillagruppen. Dazu gehören die Weather Underground Organization, die United Freedom Front, und die George Jackson-Brigade. Viele der Aktionen seit Ende der 60er Jahre waren Ausdruck der Solidarität mit nationalen Befreiungsbewegungen sowie mit dem Befreiungskampf der African Americans in den USA. Politische Militanz war innerhalb der linken Bewegung der USA zu dieser Zeit weit verbreitet. Zwischen September 1969 und Mai 1970 gab es jeden Tag irgendwo in den USA einen versuchten oder geglückten Bombenanschlag. Im Folgenden werden einige der politischen Organisationen, die in dieser Zeit in den USA gegen Rassismus, Krieg und Unterdrückung kämpften vorgestellt.

Black Panther Party (BPP)

1966 entstand die Black Panther Party (BPP), die einen Selbstschutz der schwarzen Gemeinden und verschiedene Sozialprogramme organisierte. Die Organisation wurde gegründet, um im Interesse der schwarzen Bevölkerung gegen deren gesellschaftliche Unterdrückung Widerstand zu leisten. Polizeigewalt, Hunger, fehlende Bildungsangebote und mangelnde Gesundheitsversorgung waren die unmittelbaren Probleme der Gemeinden zu Beginn der 1960er Jahre. Die BPP fand auf die meisten dieser Probleme praktikable Antworten, so dass ihre 44 Ortsgruppen überall in den USA sehr bald zum Sprachrohr derjenigen wurden, die nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei von 1865 nicht noch einmal weitere 100 Jahre warten wollten, bis sie eine vollständige gesellschaftliche Teilhabe erreicht hätten. Mit zunehmender Organisierung war die BPP jedoch auch in der Lage, politischen Widerstand weit über die Belange der afroamerikanischen Gemeinden hinaus zu organisieren. Ab 1967 versuchten sie sehr erfolgreich, eine us-weite revolutionäre Debatte zu führen, an der sich mehrere Millionen Menschen beteiligten. Aus diesen Diskursen heraus gründeten sich diverse Befreiungsbewegungen innerhalb der USA, zum Beispiel die Brown Berets oder das American Indian Movement. In diesem Kontext entwickelte sich die Black Panther Party zu einer revolutionären Bewegung, die in offener Rebellion und Konfrontation zum Rassismus der Weißen und ihrer Institutionen stand. In ihrer Hochzeit hatte die Black Panther Party zehntausend Mitglieder und wurde so zu einem gesellschaftlichen Machtfaktor. Sie wurde deshalb bald mit der Gewalt der staatlichen Repression konfrontiert. Das FBI nutzte das verdeckte Aufstandsbekämpfungsprogramm Counter Intelligence Programm (COINTELPRO) um die Opposition zu zerschlagen. Das Programm beinhaltete die systematische Überwachung, Unterwanderung und Störung von politischen Organisationen. In der Frühphase ging es durch Infiltration und Kommunikationsüberwachung vor allem darum, AktivistInnen durch gezielte Falschmeldungen gegeneinander aufzuhetzen und Spaltungen zu forcieren. Doch sehr bald gingen staatliche Stellen zu offenem Terror über. Durch Gewalt sollten politische AktivistInnen eingeschüchtert oder ganz ausgeschaltet werden. Mitglieder der Black Panther Party wurden von Polizisten ermordet und unter konstruierten Anklagen ins Gefängnis geworfen. Fred Hampton, ein führendes Mitglied der BPP wurde 1969 zum Beispiel von Polizisten im Schlaf erschossen. Allein zwischen 1967 und 1970 wurden rund 40 Mitglieder der BBP in Konfrontation mit dem Staat ermordet.

Black Liberation Army (BLA)

Angesichts der verstärkten Repression gegen die schwarze Bevölkerung bildete sich 1970 die klandestine Black Liberation Army, die sich nach dem südamerikanischen Modell der Stadtguerilla organisierte. Sie verstand sich als bewaffneter Arm der revolutionären Bewegung der Schwarzen. Mehrere bewaffnete Vergeltungsaktionen gegen den Polizeiapparat wurden von ihnen durchgeführt. Der BLA gelang 1979 die Befreiung der politischen Gefangenen Assata Shakur. Sie begab sich nach ihrer Befreiung nach Kuba, wo ihr bis heute politisches Asyl gewährt wird. Erst im Frühjahr 2012 lobte das FBI eine hohe Geldsumme für die Festnahme von ihr aus. Assata Shakur war 1973 zusammen mit Sundiata Acoli verhaftet worden. Sie wurden wegen Polizistenmordes angeklagt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Sundiata Acoli befindet sich seit 39 Jahren in Haft.

American Indian Movement (AIM)

1968 gründete sich das American Indian Movement (AIM), dessen Ziel die Eigenständigkeit der indigenen Nationen war. Auch das AIM war massiver staatlicher Repression ausgesetzt. Eine Aktion von AIM war die Besetzung der Ortschaft Wounded Knee 1973. Der bekannteste politische indigene Gefangene ist Leonard Peltier, der seit 1976 im Gefängnis sitzt. Nach einer Schießerei mit FBI-Agenten in einem Reservat im Jahre 1975, wurde er zu zweimal lebenslänglich verurteilt, weil ihm entgegen der Beweislage zwei Morde an FBI-Beamten untergeschoben wurden. Für die Freilassung von Leonard Peltier, der inzwischen 68 Jahre alt und schwer an Diabetes erkrankt ist, kämpfen derzeit viele Menschen in den USA.

Fuerzas Armadas de Liberacion Nacional (FALN)

Auf der Karibikinsel Puerto Rico entwickelte sich eine militante Unabhängigkeitsbewegung, welche das Ziel hatte die koloniale Unterdrückung, die seit 1898 auf der Insel durch die USA besteht zu beenden. Die puerto-ricanische Bewegung war sowohl in den USA als auch in Puerto Rico aktiv. Eine wichtige Organisation waren die Fuerzas Armadas de Liberacion Nacional (FALN), die in den USA aktiv gegen die Kolonialherrschaft kämpfte. Einige AktivistInnen der FALN befinden sich noch heute in Haft. Dazu gehört Oscar Lopez Rivera, der sich seit 31 Jahren im Gefängnis befindet. Oscar López Rivera war 1981 vom FBI verhaftet und von einem US-Gericht in Chicago wegen „Verschwörung zum Umsturz“ zu 55 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Während der Haft kamen 15 weitere Jahre dazu wegen der angeblichen Vorbereitung eines Ausbruchsversuchs. Der Vorwurf im Hauptverfahren: Der heute 69-jährige López soll sich mit anderen im Untergrund organisiert haben, um „die US-Regierung auf Puerto Rico zu stürzen“.

Weather Underground Organization

Die Weather Underground Organisation (WUO) existierte sieben Jahre lang und führte in dieser Zeit mehrere Anschläge unter anderem gegen das Pentagon, das Capitol, Polizeiwachen, Gerichtsgebäude und Konzerne durch. Nachdem in der Frühphase drei Gruppenmitglieder bei der Vorbereitung zu einer Aktion starben, legten sie danach Wert darauf, keine Menschen zu verletzen. Die Organisation entstand aus Teilen des SDS, Students for a Democratic Society. Die Weathermen traten im SDS für eine politische Linie ein, die sich entschieden gegen Krieg, Rassismus und Repression wandte. Die Unterstützung der schwarzen Befreiungsbewegung in den USA stellte für die Organisation eine zentrale Aufgabe dar. Ebenso ist der Kampf gegen den Vietnam-Krieg ein wichtiger Aspekt der politischen Aktivität der WUO. 1977 scheiterte die WUO an internen Widersprüchen. Viele Mitglieder waren aber weiter in anderen militanten Zusammenhängen aktiv. Dazu gehört auch David Gilbert, der sich 1981 an einer Enteignungsaktion eines Geldtransporters beteiligte, die allerdings scheiterte. David Gilbert, Judy Clark und die Aktivisten der Black Liberation Army, Sekou Odinga und Kuwasi Balagoon wurden 1983 zu 75 Jahren bis Lebenslänglich verurteilt.

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DOKUMENTATION – Arm the Spirit http://dragons.blogsport.de/2012/11/01/dokumentation-arm-the-spirit/ http://dragons.blogsport.de/2012/11/01/dokumentation-arm-the-spirit/#comments Wed, 31 Oct 2012 23:31:48 +0000 Administrator Allgemein http://dragons.blogsport.de/2012/11/01/dokumentation-arm-the-spirit/ WUO

Ein Funke kann einen Steppenbrand entfachen

Das wichtigste und grundlegende Ereignis unserer Epoche ist der Zerfall des US-amerikanischen Imperialismus. Unsere Gesellschaft befindet sich in einer sozialen und wirtschaftlichen Krise und alle bisher gültigen Annahmen über die USA sind auf den Kopf gestellt.

Wir, der Weather Underground, sind eine Guerilla, Männer und Frauen, Kommunisten, die seit mehr als fünf Jahren in den Vereinigten Jahren im Untergrund sind. Bei dem Kampf gegen den US-amerikanischen Imperialismus sind wir von den historischen Ereignissen unserer Zeit tief betroffen. Unser Ziel ist, das System zu zerstören, es lahmzulegen, Druck auf seine Bruchstellen auszuüben und es ihm schwerzumachen, seine lebensvernichtenden Funktionen gegen die Völker der Welt wahrzunehmen.

Wir führen den Kampf von innen. Unser Ziel ist, den Feind in Atem zu halten, ihn zu verschleißen, ihn an zahllosen Punkten anzugreifen, ihn politisch zu isolieren, jede Schwäche an die Öffentlichkeit zu bringen, ihm einen Schlag nach dem anderen zu versetzen, seine Verletzbarkeit zu verhüllen. Unser Ziel ist, das Volk zu ermutigen, damit sein Selbstbewusstsein und sein Vertrauen sprunghaft wächst, seine Phantasie anzuregen, die Macht dem Volk zurückzugeben. Unser Ziel ist, einen Untergrund aufzubauen, eine klandestine politische Organisation, die den Kampf auf allen Ebenen führt, dem Einblick des Staates entzogen, eine Basis gegen die Repression.

Der einzige Weg zur endgültigen Niederlage des Imperialismus und zur Herausbildung einer neuen menschlichen Gesellschaft ist der revolutionäre Krieg. Die Revolution ist die größte Kraft des Volkes. Wer bloß abwartet, wer das Volk nicht auf den Kampfvorbereitet, täuscht sich und andere darüber, wie schwer die Kämpfe sein werden, die uns bevorstehen. Der revolutionäre Kampfwird sehr vielgestaltig sein und sich lange hinziehen. Er schließt Massenkämpfe und klandestine Aktionen kleiner Gruppen ein, er nimmt friedliche und gewaltsame, politische und ökonomische, kulturelle und militärische Formen an, die sich alle in engem Zusammenhang mit dem bewaffneten Kampf herausbilden. Ohne Massenkämpfe wird es keine Revolution geben, ohne den bewaffneten Kampf können wir nicht siegen. Der Sieg steht nicht unmittelbar bevor, der Feind sitzt noch fest in seinen Positionen. Es erfordert langwierige und gut geplante politische und bewaffnete Kämpfe, um die organisierte Macht des Volkes aufzubauen und die Macht der Herrschenden zu verschleißen. Dieser Kampf hat schon Leben gekostet, er wird noch mehr Opfer erfordern. Paradoxerweise ist jedoch gerade dieser lang hingezogene Kampf der kürzeste und am wenigsten opfervolle Weg zu Revolution.

Wir befinden uns in einem frühen revolutionären Stadium. Die bewaffnete Schlagkraft der Massen, die den Feind zerstören wird, hat ihre Anfänge in einzelnen bewaffneten Aktionen. Sie entwickelt sich ungleichmäßig, mit großen Rückschlägen und mit großen Kosten. Sie wird aber nicht im magischen Moment des Aufstands voll entwickelt auf der Bühne erscheinen. Wir können es uns nicht leisten, die Organisierung und Vorbereitung des bewaffneten Kampfes auf eine günstigere Zeit in der Zukunft zu vertagen, das wäre selbstmörderisch. Es gibt kein allgemeingültiges Modell für die Revolution – wir müssen es heute für uns erst selbst entwickeln und bestimmen. Aber für einige ist der bewaffnete Kampf immer zu früh, obwohl er heute in den USA und in allen Teilen der Welt schon stattfindet. Wir trafen zu einem Zeitpunkt die Entscheidung, eine Guerilla aufzubauen, zu dem das vietnamesische Volk einen heldenhaften Krieg kämpfte, in dem es einer halben Million amerikanischer Soldaten und der technologisch entwickeltsten Militärmaschinerie eine vernichtende Niederlage beibrachte. In der amerikanischen Hemisphäre rief Che Guevara dazu auf, »zwei, drei, viele Vietnams« zu schaffen, zahlreiche Fronten gegen den US-Imperialismus in der Dritten Welt zu eröffnen und den Kampf im Innern der USA aufzunehmen. Im Land selbst spornte uns der Kampf der schwarzen Befreiungsbewegung an, uns an die Seite dieser entschlossenen Gegner der Unterdrückung zu stellen. Das war unser Verständnis unserer internationalen Verantwortung und unsere Aufgabe als weiße Revolutionäre innerhalb der Unterdrückernation. Wir sind Teil eines revolutionären Aufschwungs, der durch den Befreiungskampf der Schwarzen, den Tod von Che 1967 in Bolivien und den Volkskrieg in Vietnam ausgelöst wurde.

Nur durch den Druck der Massenkämpfe lässt sich diese Gesellschaft vermenschlichen. Es ist eine Illusion zu glauben, der Imperialismus werde von allein friedlich absterben. Imperialismus hat schon immer Krieg bedeutet. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass sie menschlicher werden, oder ihre Macht freiwillig aufgeben. In den USA hat der bewaffnete Kampf begonnen. Wir haben klandestine Organisationen entwickelt, das ist ein Zeichen dafür, dass unsere Bewegung wächst und dass wir zu kämpfen lernen. Die Entwicklung von bewaffnetem Widerstand ist in der schwarzen community, in der die Tradition und die Notwendigkeit von Widerstand am ausgeprägtesten sind, am weitesten fortgeschritten.
Die Bedingungen in den Gefängnissen, in der Armee, auf der Straße und den miesesten Jobs sind die Aktionsbasis. Dort entstehen die Kämpfer, die politischen Theoretiker und aktiven Strategen. Die schwarze Befreiungsbewegung, die seit Jahren unter schweren Angriffen durch den Staat kämpft, die Widerstand leistenden Gefangenen sind die führenden Kräfte in der Entwicklung des bewaffneten Kampfes und der politischen Bewusstwerdung.

In dieser frühen Phase des bewaffneten, klandestinen Kampfes verfügen wir über wenige, genau begrenzte Kampf- und Konfrontationsformen. Unsere organisierten Kräfte sind gering, die des Feindes groß. Wir leben innerhalb der Unterdrückernation und damit bietet sich für uns der Guerillakrieg in den Städten an. Wir sind strategisch im Nervenzentrum dieses internationalen Machtsystems, dort, wo die Institutionen und Symbole der imperialistischen Macht konzentriert sind. Die Städte werden ein wichtiger Kampfplatz sein, die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung lebt in den großen Städten. Die Städte sind unser Operationsgebiet. Wir glauben, dass bewaffnete Aktionen beispielhaft für den Kampf gegen den Staat wirken. Dadurch, dass wir den bewaffneten Kampfaufnehmen, wird die Einsicht in seine Notwendigkeit entwickelt. Revolutionäres Handeln erzeugt revolutionäres Bewusstsein, aus wachsendem revolutionärem Bewusstsein entwickelt sich revolutionäres Handeln. Aktionen lehren die Regeln des Kampfes und zeigen, dass bewaffneter Kampf möglich ist. In vier Jahren bewaffneter Aktionen haben wir die Komplexität sorgfältiger Arbeit schätzen gelernt und die Schwierigkeit, sie durchzuhalten. Wir leben in einem Wirbelsturm; trotzdem, die Zeit ist auf der Seite der Guerilla. Es gilt, einen Ausgleich zu finden zwischen der Notwendigkeit, den Kampf zu entwickeln und der, wichtige Kader und Helfer zu schützen. Bewaffnete Aktionen treiben Bewusstwerdung und Einsatzbereitschaft des Volkes voran, sie sind beispielhaft. Das heißt aber, sie müssen dem Volk klar verständlich sein, unseren Feind genau bezeichnen und seine massiven Lügen und Propaganda widerlegen. Die Angriffe des Weather Underground waren deshalb auf genau definierte Ziele gerichtet. Unsere Aktionen bildeten einen Katalysator für Tausende von Aktionen zwischen 1970 und 1972, fast alle komplementär zu den Massenkämpfen. Wir vom Weather Underground haben folgende Anschläge ausgeführt:

• Anschlag gegen das Polizeidenkmal auf »Haymarket Square« in Chicago, im Oktober 1969 und im Oktober 1970

• Anschlag auf Polizeifahrzeuge in Chicago, nach der Ermordung von Fred Hampton und Mark Clark, Dezember 1969

• Anschlag im Police Headquarter, New York City, Juni ’70

• Angriff auf das Gerichtsgebäude von Marin County, nach der Ermordung von Jonathan Jackson, William Christmas und James McClain, August 1970

• Anschlag auf das Gerichtsgebäude in Queens auf Long Island aus Solidarität mit den Gefängnisrevolten in New York, im Oktober 1970

• Anschlag auf die Strafvollzugsanstalt von San Francisco und die kalifornische Gefängnisverwaltung in Sacramento als Vergeltung für den Mord an George Jackson in San Quentin, im August 1971

• Anschlag auf die Strafvollzugsanstalt in Albany, N.Y., der Verletzten und Toten wegen bei der Gefangenenrevolte von Attica, im September 1971

• Angriff auf das 103. Polizeirevier in New York, nach der Ermordung des zehnjährigen Cilfford Clover, Mai 1973

• von der Frauenbrigade »Proud Eagle« durchgeführter Anschlag auf das Kriegsforschungsinstitut: Center for International Affairs in Harvard, Oktober 1970

• nach der Invasion von Laos, Anschlag auf das Capitol in Washington, D.C., März 1971

• im Mai 1972, nach der Bombardierung von Hanoi und der Verminung der nordvietnamesischen Häfen, Anschlag aufs Pentagon

• Anschläge auf Musterungs- und Einberufungsbehörden

• Anschläge auf Gebäude der ROTC, Ausbildungscorps für Reserveoffiziere

• Anschlag auf das Hauptquartier der ITT für Lateinamerika, nach der faschistischen Gegenrevolution in Chile, Sept. ’73

• Angriff auf das Hauptquartier der Nationalgarde in Washington, nach den Morden in Jackson und Kent State, Mai 1970

• Anschlag auf die Presidio Kaserne und das Revier der Militärpolizei in San Francisco, am 26. Juli 1970

• Anschlag der Frauenbrigade auf die Verwaltungsgebäude der HEW, San Francisco, März 1974

• Befreiung von Timothy Leary aus dem kalifornischen Gefängnis in San Luis Obispo, September 1970

Der bewaffnete Kampf ist kein Schauspiel. Es ist die Aufgabe von Massenorganisationen und ihren Führern, den revolutionären, bewaffneten Kampf offen und verdeckt zu ermutigen und zu unterstützen. Aktionen sind kraftvoller, wenn sie erklärt und verteidigt werden. Die politische Zielrichtung jeder bewaffneten Aktion muss öffentlich vertreten und weitergetrieben werden. Massenhafte Unterstützung fördert beides, den Kampf der Massen und den bewaffneten Kampf.

Der militante Widerstand hat viele Erscheinungsformen, die ein Kontinuum zwischen Guerillakrieg und Aktionen der Massen bilden. Bei einer Untersuchung der jüngsten Geschichte stoßen wir auf: Widerstandshandlungen, Verbrennungen der Einberufungsbefehle, Sabotage in der Armee, am Arbeitsplatz, in der Regierungsmaschinerie und Angriffe auf die Polizei; massenhafte Demonstrationen, Sternmärsche zum Pentagon, Kundgebungen gegen die Wehrpflicht, zum Mrican Liberation Day, zum Internationalen Frauentag, Solidaritätskundgebungen für die Chicanos; Forderungen nach Kontrolle und Selbstbestimmung durch die Besetzung von Institutionen, die Kontrolle der community über Krankenhäuser und Schulen, Landbesetzungen wie bei Wounded Knee, oder von Symbolen wie der Freiheitsstatue, People’s Park in Berkeley, die Gefängnisrevolten und -besetzungen; illegale Propaganda, Wandslogans, Blut auf die Karteien der Einberufungsbehörden, die Entwendung der FBI-Akten in Media, Pennsylvania; Aufstände, Watts, Detroit, Chicago, Cleveland, Newark; massenhafte, gewaltsame Empörung, in Jackson und Kent State wegen der Invasion in Kambodscha, das Niederbrennen einer Bankfiliale in Isla Vista, die »Days of Rage« in Chicago 1969.

Es gibt Verbindungslinien zwischen all diesen Kampfformen. Sie sind alle Widerstandsformen des Volkes und Angriffe gegen den Staat. Militanz und bewaffneter Kampf sind durchgängig Züge revolutionärer Bewegungen, sie können nicht weggewünscht oder verdrängt werden. Sie werden solange bestehen, wie der Imperialismus existiert. Der größere Teil der Revolution liegt noch vor uns.

Wer die Kämpfe der sechziger Jahre als einen Misserfolg denunziert, leistet die Arbeit des Feindes, begräbt große Augenblicke des Widerstands. Die Bewegung der sechziger Jahre demonstrierte eindrucksvolle Beispiele internationaler Solidarität im Inneren einer Unterdrückernation. Die Kämpfe der sechziger Jahre brachten grundlegende Veränderungen, ihre Erfolge sind nicht gering zu schätzen. Die Entweihung des Systems. Die Lehre, dass das amerikanische Imperium nicht für immer übermächtig sein wird, dass .es selbst auf der Höhe seiner Macht nicht unbesiegbar ist, dass es von den Völkern der Welt nicht geliebt wird und dass es die Bedürfnisse der großen Mehrheit der US-Amerikaner nicht befriedigt – diese Lehre ist von unschätzbarer Bedeutung für die Bewusstwerdung von vielen. Heutzutage, wo die Gleichgültigkeit gegenüber der herrschenden Klasse allgemein ist, fällt es schwer, sich an die Macht der Mythen über die Unbesiegbarkeit der USA und die angeblichen Verdienste ihres demokratischen Systems zu erinnern, die Anfang der 60er Jahre noch fast von jedem geglaubt wurden. Obwohl die globalen Ansprüche der USA schon durch den Sieg der chinesischen Revolution 1949 ins Wanken geraten waren und die Erfolge der Unabhängigkeitskämpfe in Mrika ebenso das taten, blieben doch die Implikationen all dieser Entwicklungen der Masse der amerikanischen Bevölkerung noch verborgen.

Die Kräfte, die in Litde Rock und in Montgomery das erstemal in Erscheinung traten, nagten am Gebäude amerikanischer Überlegenheit, ebenso wie der Triumph der kubanischen Revolution, aber wir bekamen das alles noch nicht mit. Heute ist vielen klar, dass der Imperialismus nur unter kriegsähnlichen Bedingungen überleben kann, mit einer Wirtschaft, in der das Wettrüsten, die Verteidigungsausgaben und der Zwang, Expansionen durch blutige Intervention zu unterstützen, die zentralen Momente sind. Heute verstehen viele die Raffgier der Großunternehmen: die verbrecherische Politik von Firmen wie ITT, United Fruit, Standard Oil, Gulf Oil, Dow Chemical, Chase Manhatten, Safeway und Honeywell. Und viele durchschauen heute die Heuchelei, die mit den Begriffen «Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie« in den USA getrieben wird – hohe Worte, hinter denen sich Ausbeutung, Aggression und Konterrevolution in und durch die USA verbirgt.

Die Antikriegsbewegung hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die amerikanische Regierung zu zwingen, die Truppen aus Vietnam abzuziehen. Als Teil einer weltweiten Bewegung gegen den Imperialismus hat sie dazu beigetragen, den Einsatz von Atomwaffen gegen Vietnam, einen größeren Angriff auf das Deichsystem, oder eine Invasion des Nordens zu verhindern. Die herrschende Klasse wird nicht durch Skrupel zurückgehalten, sondern nur durch ihre Einschätzung der politischen Konsequenzen ihrer Handlungen. Die imperialistische Armee wurde zu einem unzuverlässigen Herrschaftsinstrument. Hinzu kam, dass ein Teil der Antikriegsbewegung sich nicht die Scheuklappen des amerikanischen Chauvinismus aufsetzten ließ und dem amerikanischen Volk einen ersten Schimmer von der Rechtschaffenheit und Menschlichkeit des sogenannten «Feindes« vermittelte.

Widerstand gegen den Rassismus. Es war das schwarze Volk, das den Widerstandsgeist innerhalb der USA von neuem entfachte. Die Kraft und die Strategie der Bürgerrechtsbewegung, von SNCC, Malcom X und der Black Panther gab wichtige Impulse für alle anderen Rebellionen. Sie schufen die direkte Aktion als Kampfform, in diesen Bewegungen erwachte die gemeinsame Identität, Geschichte und das Selbstgefühl der Schwarzen als einem kolonisierten und unterdrückten Volk innerhalb der USA, ihre gerechten Forderungen nach Stimmrecht, Bildung, dem Recht auf Selbstverteidigung und der Aufhebung der Rassentrennung machten sehr schnell klar, wer der Feind ist. Die öffentliche Gewalt antwortete mit Polizei und Truppeneinsätzen, massenhaften Verhaftungen und Morden. In diesem Kontext entwickelte sich die schwarze Bewegung zu einer revolutionären Bewegung, die in offener Rebellion und Konfrontation mit dem Rassismus der Weißen und ihren Institutionen um die politische Macht kämpft.

Die Entwicklung von Gegenkulturen. Auf der Suche nach neuen Lebensformen geriet eine ganze Generation junger Menschen in Opposition zu dem System, in dem sie leben. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in erster Linie versucht, über das Erziehungssystem, die Wehrpflicht und die Unterdrückung der Frauen die Jugend klein zu kriegen. Das Ergebnis war eine tiefgreifende Entfremdung bei der Arbeit, in der Schule und in den Familien. Die Jugendrevolte und die Frauenbewegung haben praktisch eine ganze Generation auf der einen oder anderen Ebene beeinflusst. Das Ergebnis war, dass sich eine beträchtliche Gruppe aus der sexistischen Konkurrenzkultur löste, und neue Formen des Zusammenlebens hervorbrachte, zerbrechlich noch, aber beständig an Kraft gewinnend – kulturelle Formen im Widerstand zum bestehenden System. Die Zerschlagung dieses ganzen verrotteten Wertsystems von männlicher Überlegenheit, Konsumerismus, Passivität, Respektabilität und Aufstiegsideologie war ein wichtiger und beglückender Schritt vorwärts. Den arbeitenden Frauen, Frauen, die meinten, sich auf dem Heiratsmarkt behaupten zu müssen, die in miesen Beziehungen gefangen waren, oder die alleine Kinder aufziehen mussten, brachte die Frauenbewegung ein neues Selbstgefühl und ließ sie die Bedingungen ihrer Unterdrückung erkennen. Wir fingen an, als Frauen solidarische Beziehungen aufzubauen.

Die Überwindung der Tatenlosigkeit. Wir sind die Erben einer sterbenden Ideologie der Konformität und der allmählichen Veränderbarkeit des Systems. Unsere ersten Proteste waren friedlich und im Rahmen der Bestehenden Gesetze. Wir merkten aber, dass alle unsere Versuche, sozialen Wandel zu initiieren, immer wieder auf gewaltsamen Widerstand treffen. Die Politik der militanten Konfrontation veränderte uns, wir brachen mit unserer machtlosen Vergangenheit. Das Jahr 1968 war ein Höhepunkt und ein Wendepunkt. Die Bewegung kam zu ihrer vollen Entwicklung. Gerade hatte eine halbe Million amerikanischer Truppen in der Tet-Offensive eine vernichtende Niederlage einstecken müssen. In ganz Lateinamerika entfaltete sich der bewaffnete Widerstand, im Nahen Osten entstand die PLO. Die Studentenbewegung in Frankreich und in den anderen hochindustrialisierten Ländern befand sich in voller Revolte. Die Kulturrevolution in China entwickelte eine neue Dimension des Klassenkampfs.

Die Staatsgewalt startete eine systematische Kampagne, die Bewegung zu diskreditieren, zu spalten und zurückzuwerfen. In einem Memorandum vom Mai 1968 skizzierte FBI-Direktor J. Edgar Hoover einen bundesweiten Plan, «die Organisationen der Neuen Linken, ihre Führer und ihre Anhänger an die Öffentlichkeit zu bringen, ihre Aktivitäten zu stören und mit allen möglichen Mitteln zu neutralisieren«. Infiltration und Sabotage wurden von Polizeiagenten im großen Maßstab durchgeführt. Wie schon immer richteten sich die Angriffe in erster Linie gegen die schwarze Befreiungsbewegung, sie fanden ihren Ausdruck in gewalttätigen Aktionen gegen die schwarzen communities und ihre Führer, besonders die Black Panther.

Selbstkritik. Wir müssen aus unseren Fehlern lernen. Aber Fehler müssen erst erkannt und berichtigt werden. Die Fähigkeit dazu ist ein Test für die Stärke unserer Bewegung. Unsere Entscheidung, den bewaffneten Kampf vorzubereiten und anzugehen, war richtig. Dieser Anfang schloss eine Konfrontation mit Privilegien und Hemmungen ein, er war unhöflich, rauh, disruptiv und hielt sich an keine Ordnung. Drei unserer Genossen – Diana Oughton, Teddy Gold und Terry Robbins – gaben in den Anfängen des bewaffneten Kampfes ihr Leben. Was wir damals falsch machten, war, dass wir nicht die Möglichkeit und die strategische Notwendigkeit einsahen, die Leute massenhaft in antiimperialistische Aktionen und Organisation einzubeziehen. Wir begrenzten unseren Blick auf die Komplizenschaft der Weißen mit der herrschenden Klasse, ihr Schweigen im Angesicht des wachsenden Terrors und des offenen Mordes an schwarzen Revolutionären. Wir verloren unsere Identifikation mit dem Volk aus den Augen – mit seinen Hoffnungen, Sehnsüchten und Niederlagen.
Dieser Fehler hatte zwei Konsequenzen. Im Lauf unserer Vorbereitungen für den bewaffneten Kampf 1969 begannen wir Freunde mit Feinden zu verwechseln. Wir legten engste Maßstäbe der Bereitschaft, alles zu riskieren an die Genossen ebenso an, wie an die wirklichen Opportunisten, die eine Politik des Rückzugs vertraten. Wir griffen Leute an, die sich uns nicht völlig anschlossen, manchmal nur deshalb, weil sie nicht bereit waren, alles, was wir sagten und machten, zu unterstützen. Weiter machten wir den Fehler, die Bedeutung der Massenarbeit zu unterschätzen und verloren so unsere alte Einsatzbereitschaft für den Massenkampf. Im Dezember 1970 schrieben wir New Morning – Changing Weather, wo wir die Bedeutung der Massenbewegung und des politischen neben dem militärischen Kampferneut betonten. Aber hier sprachen wir uns zu unkritisch für die Jugendkultur aus, dieses Statement wurde als Abwendung von der revolutionären Gewalt verstanden…

Weather Underground

Prairie Fire, San Francisco 1974

(Übersetzung: Dita Stafski)

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DOKUMENTATION – New Morning – Changing Weather http://dragons.blogsport.de/2012/11/01/dokumentation-new-morning-changing-weather/ http://dragons.blogsport.de/2012/11/01/dokumentation-new-morning-changing-weather/#comments Wed, 31 Oct 2012 23:27:10 +0000 Administrator Allgemein http://dragons.blogsport.de/2012/11/01/dokumentation-new-morning-changing-weather/ WUO

Weather Underground – Kommunique No. 7

Dies ist eine Mitteilung an unsere Freunde. Wir haben sie an die Stadt- und Collegezeitungen geschickt, denen wir uns am meisten verbunden fühlen. Für die Verbreitung brauchen wir eure Hilfe. In der letzten Zeit gab es einige Kommuniques, die angeblich vom Weather Underground stammten. Früher dachten wir, daß es nichts macht, wenn Leute falsche Kommuniques verbreiten, weil das den Feind verwirren würde. Jetzt scheint es aber eher so, daß das keine gute Taktik ist. Es schränkt unsere Fähigkeit ein, klar zu sagen, wer wir sind und was wir tun, es macht es für uns schwieriger, uns mit den Leuten auseinanderzusetzen, mit denen wir Differenzen auszutragen haben.

Diese Mitteilung begleitet keinen Bombenanschlag und keine bestimmte Aktion. Wir wollen uns heute innerhalb der Massenbewegung äußern, nicht etwa als militärische Führer, sondern gewissermaßen als Mitberatende bei einer Stammesversammlung. Seit der Explosion im Village sind neun Monate vergangen. Während dieser Zeit hat sich die Perspektive unserer Revolution grundlegend verändert. Eine wachsende, illegale Organisation junger Frauen und Männer kann innerhalb von Babylon leben, kämpfen und lieben. Das FBI kriegt uns nicht. Aber die Explosion im Village hat unseren Glauben zerstört, nur der bewaffnete Kampf sei wirklich revolutionär.

Es ist Zeit für die Bewegung, auf die Straße zu gehen, zu organisieren, die Bewegung muß es wagen, zu Demonstrationen und Kundgebungen gegen den Krieg aufzurufen, muß sich davon überzeugen, daß Massenaktionen gegen den Krieg und solidarische Aktionen tatsächlich eine Wirkung haben. Nur dadurch, daß wir offen handeln, Nixon, Agnew & Mitchell angreifen und isolieren, unser Wissen mit jungen Schwestern und Brüdern teilen, nur so können die Furcht der Studenten von Kent State, das Heroin der Lower East Side und das allgemeine Schweigen nach der Bombardierung Nordvietnams gebrochen werden.

Der Tod unserer drei Freunde bedeutet das Ende der militärischen Konzeption über das, was wir tun. Wir haben einige Wochen lang ausführlich miteinander geredet, um neuen Boden unter die Füße zu bekommen und um uns daran zu erinnern, daß der Glaube an die Möglichkeit der Revolution in uns dadurch aufkam, daß wir die Schulen, die Jobs und die erstarrten Beziehungen zu denen wir »erzogen« worden sind, abgelehnt haben. Wir haben uns daran zurückerinnert, wie wir angefangen haben, in Gruppen zu leben und wie wir bemerkten, daß diese Revolution die Unterdrückung der Frauen unberührt lassen würde, wenn Frauen nicht anfingen, gemeinsam zu kämpfen. Und Marihuana und LSD und wenig Geld und das Gewahrwerden der schwarzen Revolution und der Völker der Welt. Uns selbst entprogrammieren, die amerikanische Geschichte neu lernen. Die erste Demonstration, bei der wir mitliefen; das erste Mal, als wir versuchten, unsere Freunde zu überzeugen. In dieser Zeit des Nachdenkens nach der Explosion im Village haben wir gemerkt, daß wir gegenseitig unsere Vergangenheit kaum kannten, wenig über unsere Fähigkeiten, unsere Interessen oder unsere Unterschiede. Wir hatten zusammengefunden in der Militanz junger Weißer, die entschlossen waren, den Rassismus und die amerikanische Ausbeutung der Dritten Welt zu bekämpfen. Da wir uns einig waren, daß ein Untergrund aufgebaut werden müsse, waren wir in der Lage, als gesamte Organisation innerhalb von Stunden nach der Explosion zu verschwinden. Aber es war klar, daß an unserer Konzeption mehr falsch gewesen war als nur technische Unerfahrenheit. (Man sollte immer einen Sicherheitsschalter einbauen, und eine Kontroll-Lampe, die Kurzschlüsse anzeigt.)

Diana, Teddy und Terry waren jahrelang im Students for a Democratic Society (SDS). Diana und Teddy waren Lehrer und hatten beide einige Wochen mit Vietnamesen auf Cuba verbracht. Terry hatte Stadtteilarbeit in Cleveland gemacht und in Kent State organisiert; Diana hatte in Guatemala gearbeitet. Alle drei kämpften sie mit bei den Days of Rage in Chicago. Wir waren alle erbittert über den Mord an Fred Hampton. Weil ihr Kollektiv den bewaffneten Kampf als die einzige legitime Form revolutionären Handelns zu definieren begann, schien es ihnen so, als ob es keinerlei revolutionäre Bewegung unter der weißen Jugend gäbe. Es sah so aus, als ob die Schwarzen und Dritte Welt-Völker die Einzigen wären, die gegen den amerikanischen Imperialismus angingen.

Zwei Wochen vor der Explosion im Village hatten vier Mitglieder dieser Gruppe einen Brandbombenanschlag auf das Haus des Richters Murtagh in New York verübt. Das war eine Solidaritätsaktion für die Panther 21, deren Prozeß gerade begann. Viele Leute fanden das eine gute Aktion. Innerhalb der Gruppe kam jedoch das Gefühl auf, daß die Aktion nicht sehr wichtig gewesen sei, weil sie nichts dazu beigetragen hatte, die Bullen wirklich materiell zu schädigen. Im Verlauf von vierzehn Tagen ging diese Gruppe also von Brandbomben zu Bomben über. Viele Leute im Kollektiv wollten bei der ausgedehnten und fast ziellosen Bombenoffensive, die geplant war, nicht mitmachen. Aber sie setzten sich Tag und Nacht miteinander auseinander, bis sich schließlich jeder bereit erklärte, seinen Teil zu übernehmen.

Es kam endlich so weit, daß sie dachten und handelten, als seien nur die, die ums Leben kommen, erwiesene Revolutionäre. Viele hatten sich zu etwas überreden lassen, das sie innerlich nicht bejahten und viele hatten nächtelang nicht geschlafen. Die persönlichen Beziehungen waren voll von Schuldgefühlen und Angst. Die Gruppe hatte soviel Zeit darauf verwendet, den Willen zur Tat zu erzwingen, daß sie sich nicht um elementare technische Sicherheitsmaßnahmen kümmerte; sie hatte die Zukunft außer Acht gelassen; sie hatte nicht überlegt, was mit den Bomben geschehen sollte, falls sie am vorgesehenen Ziel nicht gezündet werden könnten, sie hatte auch nicht bedacht, was in den folgenden Tagen zu tun sei. Diese Tendenz, nur Bombenanschläge oder den Griff zum Gewehr als revolutionär anzusehen und eine Aktion umso mehr zu verherrlichen, je militanter sie ist, nennen wir den militärischen Fehler.

Nach der Explosion bliesen wir alle bewaffneten Aktionen bis zu demjenigen Zeitpunkt ab, an dem wir sicher wären, die Ursachen verstanden und entsprechend gehandelt zu haben. Wir fanden heraus, daß es unter uns schon eine andere Richtung gab, die sich in einigen Kollektiven entwickelt hatte. Uns wurde auch klar, daß eine Gruppe, die klandestin agiert und von der Jugendkultur isoliert ist, den Sinn dafür verliert, was läuft, nicht mehr imstande ist, Strategien zu entwickeln, die eine große Zahl von Leuten einbeziehen, und in ein Freund/Feind-Denken verfällt. Es war eine Frage revolutionärer Kultur. Entweder man betrachtet die Jugendkultur, die in den letzten Jahren entstanden war als bürgerlich und dekadent und deshalb als Feind der Revolution, oder man sieht in ihr die Kräfte, die uns hervorgebracht haben, eine Kultur, der wir angehören, eine junge, noch ungeformte neue Gesellschaft.

In den vergangenen Monaten wurde uns mit überwältigender Klarheit bewußt, welche Möglichkeiten uns allen offenstehen, die Bewegung so weiterzuentwickeln, daß wir als Revolutionäre die Kulturrevolution verändern und beeinflussen. Wir sind in der Lage, ihr eine Wendung zum Besseren zu geben. Männer die Chauvinisten sind, können sich ändern und Revolutionäre werden, die mit der zwischen Männern und Frauen stehenden Kultur gebrochen haben. Hippies und Studenten, die Black Power fürchten, sollten sich mit den Schriften von Rap Brown und George Jackson befassen. Wir sollten weiter daran arbeiten, Versuche, sich unsere Kultur zunutze zu machen, umzufunktionieren und zu unterwandern. Leute werden in den Schulen, in der Armee, in den Gefängnissen, in Kommunen und auf der Straße zu Revolutionären. Nicht in einer Zelle im Untergrund.

Weil wir auf der Flucht waren, mußten wir uns von der Bewegung fernhalten. Das erwies sich als ein Segen, auf diese Art sind wir so ziemlich überall sonst hingekommen. Mit unseren neuen Identitäten suchten wir zu so vielen Menschen wie möglich Kontakt, wir haben uns die TV-Nachrichten über unsere Anschläge mit Nachbarn und Freunden angeschaut, die nicht wissen, daß wir Weatherleute sind. Wir haben oft Angst, aber wir akzeptieren unsere Angst jetzt und versuchen nicht so zu tun, als berühre sie uns nicht. Was uns früher als eine völlig irre Selbstdisziplin erschienen wäre, kommt uns heute vor wie ein Yoga der Wachsamkeit, eine gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit für Aktivitäten und Schwingungen um uns her – fast ein neues Paar Augen und Ohren.

Wenn wir auch bis jetzt nicht viel über uns verlauten ließen, haben unserer Aktionen doch viel darüber gesagt, wo unser Kopf ist. Wir sind nicht mehr auf großen materiellen Schaden aus. Die meisten unserer Aktionen trafen den Feind militärisch etwa so wie ein Bienenstich. Aber die politische Wirkung war für den Feind verheerend. Die Welt weiß heute, daß sogar die weiße Jugend in Babylon selbst zur Gewalt greift, um den Imperialismus zu stürzen.

Unsere Angriffe auf das Gericht von Marin County und das Stadtgefängnis auf Long Island wurden durchgeführt, weil wir dachten, der Widerstand und die politische Führung, die sich in den Gefängnissen entwickeln, brauchten die sofortige und massenhaft Unterstützung von jungen Leuten. Für alle George Jacksons, Afeni Shakurs und alle potentiellen Revolutionäre in den Gefängnissen ist die Bewegung eine Rettungsleine. Sie rebellieren in der Erwartung massiver Unterstützung von außen. Demonstrationen in Solidarität mit Gefängnisrevolten sind eine wichtige Aufgabe der Bewegung, aber irgend jemand muß sie organisieren, Flugblätter drucken, die Leute überzeugen, daß die Sache wichtig ist. Wir sind so sehr an das Gefühl der Machtlosigkeit gewöhnt, daß wir der feindlichen Propaganda über den Tod der Bewegung glauben, oder den Geschichten, daß Kundgebungen sich überlebt haben und nichts sind. Als vor einem Jahr Bobby Seale in Chicago vor Gericht gefesselt und der Mund verklebt wurde und die Bewegung darauf kaum reagierte, machte sie es den Bullen so leichter, Fred Hampton zu ermorden. Gerade sind zwei Puerto Ricaner zur Vergeltung für die Gefangenenrebellion von Bullen in den New Yorker Gefängnissen umgebracht worden. Was wir tun oder unterlassen, macht sehr wohl einen Unterschied.

Um diese Organisationsarbeit zu leisten, braucht es Mut und eng zusammenhaltende Gruppen. Zweier- oder Dreiergruppen bringen als Organisationsform nichts – sie können keine Zeitung herausbringen, keine Konferenz über den Krieg organisieren oder eine bewaffnete Aktion durchführen, ohne gefaßt zu werden. Unsere Macht besteht darin, daß wir zusammen mobil, dezentralisiert und flexibel sind und daß wir in jedes Haus kommen, wo Kinder sind, die die neue Tonart von Freiheit und Leben aufnehmen.

Die Männer und Frauen in den Gefängnissen sind Kriegsgefangene der Vereinigten Staaten. Wenn ein amerikanischer Pilot bei der Bombardierung der nordvietnamesischen Dörfer abgeschossen wird, umringen ihn oft Tausende, die gerade erst ihre Familie verloren haben, oder Zeuge der Zerstörung ihrer Häuser wurden durch die Bomben, die er abwarf. Trotzdem wird der Mann von den Vietnamesen nicht attackiert und umgebracht, sondern als Gefangener versorgt. Nixon führt jetzt einen moralischen Kreuzzug, wegen der Behandlung dieser amerikanischen Kriegsverbrecher, um all seine Greueltaten zu legitimieren.

Die Demonstrationen und Streiks nach dem Einfall in Indochina und nach den Morden in Jackson und Kent State vorigen Mai zeigten wirkliche Macht und sie machten etwas aus. Neue Leute wurden erreicht und einbezogen und die Regierung wurde in die Defensive gedrängt. In diesem Moment hätten unsere Anschläge Aktionen auslösen können, die von unserer Wut auf den doppelzüngigen Pentagonchef Laird und seine Bande zeugen – die Kriegsforschung und die Universitätsverwaltungen und die herumreisenden Politiker sind innerhalb der Reichweite unserer Flugblätter, unserer Demonstrationen, unserer Steine. Die Frauenbefreiungsgruppen können in Nguyen Thi Binh eine Schwester sehen, der hier Liebe und Unterstützung zuteil wird. Ihre Friedensvorschläge müssen erklärt werden und Bloody Dick (Nixons) Pläne, mehr Bomber einzusetzen (um die GIs aufzuwiegen, die sich weigern zu kämpfen), sollten gebrandmarkt werden, als das, was sie sind, nämlich Eskalation und Völkermord. Vietnamisierung, Indianisierung, beschränkte Einsatzdauer, Selbstschutzreaktion – wie immer der Dreck heißt. Manchmal scheinen wir zu vergessen, daß in Vietnam starke befreite Frauen und Männer leben und kämpfen. Nicht als abstrakte Guerilla, die mit dem US-Imperialismus in Südostasien ihre Sache auskämpfen, sondern als Menschen mit Idealen und Gefühlen und Eltern und Kindern und Hoffnungen für die Zukunft.

Leute wie Thai, der in der Volksoffensive kämpft und während der Tet-Offensive in Hue und ein Jahr später am Hamburger Hill war, oder Than Tra, eine Führerin in der Massenorganisation der Frauen und der Studentenbewegung in den Städten, die ihren Liebsten seit neun Jahren nicht gesehen hatte. Sie reisten einen Monat, um nach Cuba zu kommen und sich mit uns zu treffen, zu singen, zu tanzen und um uns zu erklären, wie es in Vietnam zugeht. In ihren Händen wirken Gewehre und Bomben nicht brutal, oder in einer miesen Weise männlich. Uns drängt sich der Gedanke auf, daß sich die Antikriegsbewegung niemals die Reisen von Nixon & Agnew durch so viele Städte zugelassen hätte, wenn mehr Leute von Thai und Than Tra wüßten, daß dann nicht nur die Freaks an der Universität von Kansas und die Leute von San Jose ihren Zorn auf den regierenden Rassismus vor aller Welt hätten laut werden lassen. Während der letzten Monate haben die Freaks und die Hippies und viele Leute in der Bewegung angefangen, sich für einen langen Winter einzugraben. Kent und Augusta und Jackson verhalfen uns zur Mündigkeit und einem ernsten Wissen davon, wie schwer es sein wird, in Amerika zu kämpfen und wie lange wir brauchen werden zu siegen. Wir alle fangen an zu begreifen, was die Cubaner meinten, als sie davon sprachen, daß wir neue Menschen brauchen.

Die Leute haben angefangen, mit allen Aspekten ihres Lebens zu experimentieren, in einem heftigen Kampf gegen die Lebensform des weißen Mannes. Sie haben gelernt, zusammen in den vergifteten Städten zu überleben und sie haben gelernt, auf der Straße und auf dem Land zu leben. Sie sind aufs Land gezogen und haben neue Wege gefunden, freie wilde Kinder aufzuziehen. Sie haben sich mit organischer Ernährung entgiftet, für die sexuelle Befreiung gekämpft und sich die Haare wachsen lassen. Sie fangen an, einander näher zu kommen und sie haben gelernt, daß Marihuana und organische, bewußtseinserweiternde Drogen Waffen der Revolution sind. Nicht unbedingt für jeden, keine Mutprobe, sondern ein Werkzeug – ein Yaqui-Weg zur Erkenntnis. Aber während wir das Lob der Rauschmittel singen, weiß der Feind, wie stark unsere Jugendkultur seine Herrschaft bedroht, und er setzt seine Verbündeten ein, die tödlichen Rauschgifte (Heroin und Speed), um die Jugend zu befrieden und umzubringen. Eine Revolution kann ohne die Jugend nicht gelingen. Die Leute schließen sich zu neuen Familien zusammen. Von Seattle bis Atlanta, von Buffalo bis Vermont sind Kollektive entstanden, Einheiten von Leuten, die einander vertrauen, die beides machen, miteinander leben und miteinander organisieren und kämpfen. Die Revolution schließt unser ganzes Leben ein, wir sind keine Halbtagssoldaten oder Geheimrevolutionäre. Unser enger Zusammenhalt und die Integration unseres Privatlebens in unsere revolutionäre Arbeit wird es den Polizeispitzeln schwer machen, unsere Kollektive zu infiltrieren. Es ist für die Bullen verhältnismäßig einfach, sich in verschiedene Treffen, sogar Zusammenhänge einer Geheimzelle einzuschleichen. Es ist viel schwieriger in einer Familie zu leben, ohne entdeckt zu werden. Eins der wichtigen Dinge, die sich geändert haben, seit die Leute in Kollektiven arbeiten, ist die Auffassung von Führerschaft. Viele von uns – und besonders die Frauengruppen – wollen keinen akademischen Ideologen oder autoritären Führern folgen. Aus den Reden von Fidel und den Gedichten von Ho haben wir verstehen gelernt, wie Führer aus ihrer tiefen Verbindung mit Bewegungen hervorgehen. Von Crazy Horse und anderen großen Indianerhäuptlingen lernten wir, daß man denen, die den Stamm und seine Bedürfnisse achten, freiwillig und mit Liebe folgt. Die Lakotas lachten, als die Weißen einen einzigen Mann als Oberhäuptling über alle Lakotastämme einsetzten – als ob nicht die Stämme nach wie vor denjenigen folgten, die ihrer Meinung nach das Richtige taten.

Viele dieser Veränderungen sind von Frauen durchgesetzt worden, von Frauen in gemischten Kollektiven und von Frauenkollektiven. Die ungeheure Energie von Schwestern, die zusammen arbeiten, hat die Bewegung im Inneren verändert, und wenn sie sich nach außen wendet, ist sie eine Kraft, die Amerika verwirrt und erschreckt. Auf die Frage nach der Aufrichtigkeit von Madame Binhs Vorschlägen sagte Ky: »Traue nie einer Frau in der Politik!« Die Bullen weigern sich zu glauben, daß Frauen eine Erklärung abfassen können, in der Lage sind, einen komplizierten Sprengkörper herzustellen oder in den Straßen kämpfen können. Und jetzt, wo wir die potentielle Stärke von Frauen auf der Straße erlebt haben, ist es an den revolutionären Frauen, die Führung zu übernehmen und zu militanten Demonstrationen aufzurufen, junge Frauen zu organisieren, die Vietkongfahne mitzuführen, und es für Nixon und Ky schwierig zu machen, im Land herumzureisen und ihre Sprüche über die Kriegsgefangenen zu machen, während gleichzeitig Hunderte von Frauen in den Gefängnissen des Thieu-Regimes gefoltert werden.

Es ist unsere Aufgabe, den amerikanischen Frauen von Madame Binh in Paris zu erzählen, von Pham Thi Quyen, der Frau von Nguyen Van Troi, die in Saigon im Untergrund kämpfte, von Madame Nguyen Thi Dinh, die den ersten Aufstand einer Einheit der südvietnamesischen Volksbefreiungsarmee anführte, von Celia Sanchez und Haydee Santamaria, die bei Moncada und in Havanna im Untergrund kämpften, von Bernadette Devlin und Leila Khaled und Lolita Lebrun; und von Joan Bird und Afeni Shakur und Mary Moylan hier.

Wir können ebensowenig darauf warten, Leute zu organisieren, bis wir selbst unser Zeug beieinander haben, wie wir ohne das handeln können. Beides muß Hand in Hand gehen. Die Veränderungen, die die Leute durchmachen sind keine Regeln und Prinzipien. Wir sind in vielen verschiedenen Gegenden des Landes und bauen unterschiedliche Führerschaffen und Organisationen auf. Es geht nicht darum, in einer einzigen Organisation zusammengefaßt zu werden, mit Statuten, Fraktionen und Koalitionen. Aus den Kämpfen der nächsten Jahre wird eine neue Nation erwachsen.

Bernadine Dohrn, Weather Underground

Rat, Dezember 1970

(Übersetzung: Dita Stafski)

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DOKUMENTATION – Eine Botschaft der Black Liberation Army an die Dritte Welt http://dragons.blogsport.de/2012/11/01/dokumentation-eine-botschaft-der-black-liberation-army-an-die-dritte-welt/ http://dragons.blogsport.de/2012/11/01/dokumentation-eine-botschaft-der-black-liberation-army-an-die-dritte-welt/#comments Wed, 31 Oct 2012 23:00:55 +0000 Administrator Allgemein http://dragons.blogsport.de/2012/11/01/dokumentation-eine-botschaft-der-black-liberation-army-an-die-dritte-welt/ BlackPanther

Der Frühling kam dieses Jahr eher!

Diese Botschaft ist Fred Bennet, Robert Webb, Harold Russell, Sandra Pratt, Frank Fields, Ronald Carter, George und Jonathan Jackson und den Brothers, die in Attica ermordet wurden, gewidmet.

In der Vergangenheit wurde der Kampf um Schwarze Befreiung in den USA immer mit heißem Wetter oder der Sommerzeit in Verbindung gebracht. SchülerInnen hatten schulfrei, viele Leute waren auf den Straßen, es war 30M-0 C im Schatten, und die schwarze Stimmung wurde allgemein als ziemlich gereizt, wenn nicht gar als brodelnd angesehen. Die Schweine glaubten, daß diese Eigenschaften die städtische Rebellion begünstigten. Daher wurde dem Syndrom des langen, heißen Sommers zu einer Zeit Glauben geschenkt, als Schwarze Leute auf einem heftigen Weg von Spontanität waren. Der Eindruck war, daß sich mit Herbstanfang und insbesondere im Winter dann alles abgekühlt haben wird. Denn immerhin mögen Nigger kaltes Wetter nicht!

Diese Schweine negierten dabei völlig die Tatsache, daß Schwarze und andere Dritte-Welt-Leute am meisten während der Wintermonate leiden. Zahllose Tragödien brechen über unterdrückte Menschen herein, wenn der Herbst beginnt. Miserable Wohnungen mit kaputten Fenstern. Keine Heizung oder warmes Wasser. Unsere Kinder sterben an Lungenentzündung. Die Arbeitslosenquote ist höher. Unsere Communities werden immer noch mit Drogen vollgepumpt, und die faschistischen Schweinecops mißhandeln unsere Leute immer noch oder bringen sie um.

Unsere Unterdrückung ist unabhängig von Jahreszeiten, und daher wird unser Widerstand auch nicht davon abhängig sein.

Als der erste Schnee des Jahres in New York City fiel, wurden die Schweinecops Gregory Foster und Rocco Laurie durch die Kugeln der George Jackson-Einheit der Black Liberation Army (BLA) ins Nichts befördert. Gleichzeitig kündigte die BLA auch an, daß dies die erste Aktion ihrer Frühlingsoffensive sei. Und der Frühling kam dieses Jahr eher!
Wenn Franz Fanons Die Verdammten dieser Erde die Bibel der Schwarzen Befreiungsbewegung ist, dann ist Carlos Marighellas Für die Befreiung von Brasilien (daraus wurde das Kleine Handbuch für den Stadtguerillakampf entnommen) die Bibel der Neuen Amerikanischen Stadtguerilla. Es ist eine Ironie der Geschichte, daß die alte Black Panther Party hauptverantwortlich für den Druck und die Verteilung des Kleinen Handbuchs in diesem Land war und gleichzeitig ihren Mitgliedern verbot, diese revolutionären Theorien in die Praxis umzusetzen. Mehr noch, alle Panthers, die ernsthaft über den Aufbau einer Stadtguerilla nachdachten, wurden aus der Partei ausgeschlossen und als Schweine, Großmäuler und Abtrünnige gebrandmarkt.

Ein Jahr ist seit der Spaltung der Black Panther Party (BPP) vergangen. Die bürgerlichen Bürokraten oder die rechte Seite der Medaille, die von Huey P. Newton und dem Rest des in Oakland residierenden Zentralkomitees geführt werden, machen immer noch ihr Ding: Sie gehen in die Kirche und versuchen, die schwarze Bourgeoisie zu umwerben. Dabei sehen sie aus, als wenn sie aus den Seiten der Essence-Zeitschrift kommen würden und theoretisieren tagelang. Die linke Seite der Medaille sind die Brothers und Sisters, die aus der Right On Black Panther Party oder anderen politischen Organisationen kommen. Dazu kommen diejenigen, die sich von der schwachsinnigen Selbstgefälligkeit dieser rechtsgerichteten Revisionisten getrennt haben und daran gegangen sind, Theorie in Praxis umzusetzen und zusammen mit anderen GenossInnen von denen einige nie Panther waren im städtischen Guerillakampf aktiv sind.

In Brasilien wurden Carlos Marighella und die KommunistInnen in SM-co Paulo, die aufgrund ihrer Kritik an der gewaltfreien Politik der Kommunistischen Partei gegen das Zentralkomitee stimmten, aus der Partei ausgeschlossen oder auf andere Weise bestraft, ohne sich verteidigen zu können. Sie wurden einfach nicht zu den Treffen eingeladen, bei denen ihr Ausschluß entschieden wurde. Hört sich das nicht altbekannt an? Wir können die Parallelen zu den Fällen von Geronimo ji-jaga Pratt, den New York 21, Cet, Dhoruba, Connie Matthews Tabor und vielen anderen Panthers ziehen, die Widersprüche zur Politik des Zentralkomitees hatten.

Indem wir diese Parallelen ziehen, geht es uns nicht darum, den immer gleichen Brei wieder aufzuwärmen und uns endlos über die internen Widersprüche auszulassen, die zur Spaltung der Black Panther Party führten. Alle politischen Organisationen und übrigens auch unpolitische Organisationen sehen sich mit ähnlichen internen Widersprüchen konfrontiert. Im letzten Jahr ist das gleiche Phänomen nicht nur innerhalb der BPP aufgetreten, sondern innerhalb aller großen Organisation, die in der Schwarzen Community arbeiten. Dieses Phänomen fand sich in der Southern Christian Leadership Conference (SCLC) und wurde nach außen hin als ein Machtkampf zwischen Ralph Abernathy und Jesse Jackson verkauft; ähnlich der Art und Weise, wie die Spaltung innerhalb der BPP als persönliche Rivalität zwischen Huey P. Newton und Eldridge Cleaver dargestellt wurde.

Eine ähnliche Entwicklung gab es auch in der Nation of Islam. Nach den Aussagen einiger Quellen wurden mindestens 10 Mitglieder der Nation of Islam in den letzten sechs Monaten ermordet und/oder verletzt. Diese Toten wurden in direkten Zusammenhang gebracht mit den Widersprüchen zwischen den Young Turks (oder den linksgerichteten Elemente innerhalb der Nation) und der alten Garde der göttlichen Bourgeoisie, die vom Honorable Elijah Muhammad, seinem Schwiegersohn Raymond Shariff (der ein ehemaliger FBI-Agent ist) und dem Rest der unmittelbaren Familie des Botschafters angeführt wird. Die Young Turks sagen: Wenn Weiße tatsächlich Teufel sind, dann ist es richtig, gegen sie vorzugehen, während die alten Fanatiker immer noch darauf warten, daß Allah aus dem Mutterschiff herabsteigt, um alle Verbrechen, die gegen Schwarze hier in der Wildnis Nordamerikas verübt wurden, zu sühnen. (Es ist kein Zufall, daß die Muslim Brothers während der Knastrebellionen in Queens im Oktober 1970 und während der Attica Rebellion bereit waren, zu sterben, um die Teufel zu beschützen). Baton Rouge war der Höhepunkt dieser heftigen Auseinandersetzung. Aber wir müssen verstehen, daß diese Widersprüche so allgegenwärtig sind wie die Widersprüche, die zwischen dem Alten und dem Neuen bestehen.

Die internen Widersprüche, die innerhalb der unterschiedlichen sog. Führungsorganisationen in der Schwarzen Community stattfinden, haben den Schwarzen Befreiungskampf in Babylon verändert. Daraus wurde ein neues Kind geboren DIE SCHWARZE STADTGUERILLA . Aber diese Periode des Wandels war nicht einfach, und das Kind wurde mit Blut geboren!

Unsere Ziele hier sind dreifach: 1) Dank zu sagen für das unbezahlbare Wissen, daß uns indirekt durch die Erfahrungen der Stadtguerilla Lateinamerikas vermittelt wurde, insbesondere auch die Methoden, die von den GenossInnen in Brasilien, Argentinien und natürlich den Tupamaros angewandt werden. 2) Einige der vielen Fehler, die während des letzten Jahres gemacht wurden, aufzuzeigen. 3) Und wir wollen erklären, was wir durch unsere eigenen praktischen Erfahrungen bei der Anwendung der Methoden des bewaffneten Kampfes gelernt haben.

Eine Kritik an Enteignungen

Wenn der gigantische Schritt vom Bereich der Theorie zum Bereich der Praxis gemacht wird, wird der/die RevolutionärIn auf viele Hindernisse stoßen, und es werden viele Fehler gemacht werden. In einem revolutionären Krieg wird die Guerilla jahrelang Niederlagen erleben, bevor sie sich zusammengerauft hat. Aber revolutionäre Kriege sind langandauernde Kriege. In Brasilien, das eines der wichtigsten Länder Lateinamerikas und weltweit ist, haben die GenossInnen viele Jahre lang Niederlagen erlitten. Und selbst als Carlos Marighella zusammen mit anderen brasilianischen GenossInnen aus der KP flüchtete, hatten sie über ein Jahr mit den Vorbereitungen für eine einzige Enteignungsaktion zu kämpfen. Aber wie Marighella sagt: Es ist schwierig die Wahrheit herauszufinden, außer durch die Praxis.

Die gleichen Leute, die immer schreien: Wir sind noch nicht reif für eine Revolution, weil wir keine Gewehre haben, sind auch genau die gleichen Nigger, die immer den völligen Zusammenbruch beklagen. Und genauso, wie es eine historische Tatsache ist, daß der einfachste Weg, um eine Revolution zu bewaffnen, ist, dem Feind die Waffen wegzunehmen, ist der klügste Weg, um eine Revolution zu finanzieren, die kapitalistischen Banken zu berauben. Die Polizei hat die Waffen, und die Banken haben das Geld. Das führt uns also zu den Enteignungsaktionen.

Enteignungen (der Raub von Waffen, Waren oder Geld für revolutionäre Zwecke) sind das Aktionsfeld, für das wir die meiste Kritik erhalten haben. Eine Menge dieser Kritik ist das direkte Ergebnis der reaktionären Schweinepropaganda. Aber einiges von dieser Kritik resultierte auch aus der schlechten Auswahl der Ziele durch die Guerilla.

Historisch kam Geld, das in die Schwarze Befreiungsbewegung gesteckt wurde, hauptsächlich von liberalen Weißen mit der Außnahme der Markus Garvey Bewegung und später der Nation of Islam. Aber in dem Maße, wie die Rhetorik der Schwarzen FreiheitskämpferInnen militanter wurde, wurde auch das Geld knapper. Geld ist überall ein brennendes Problem, und SympathisantInnen, Schwarze und Weiße, die Geld haben, sind nicht darauf aus, es wegzugeben insbesondere an einige verrückte Nigger, die das Bargeld nehmen werden, um ein paar Gewehre mehr zu kaufen, so daß sie noch mehr Volksfeinde ausrauben oder das Geld für andere revolutionäre Zwecke verwenden können. Als sie bemerkten, daß diese Quelle fast ausgeschöpft ist, schufen sich die Stadtguerilleras und -guerilleros ihre eigenen Quellen. Um Carlos Marighella in abgewandelter Form zu zitieren: Der/Die Stadtguerillera/o benutzt den bewaffneten Kampf und konzentriert ihre/seine Aktivitäten auf die physische Vernichtung der Handlanger der Repression und widmet 24 Stunden täglich der Enteignung derer, die das Volk ausbeuten. Die einzige Frage, die unterdrückte Menschen in bezug auf den Raub der Schätze der Unterdrücker haben sollten, sollte die Frage nach der Methode sein.

In Lateinamerika ist der Bankraub die beliebteste Form der Enteignung. Nach langen Zeiten von Mißerfolgen haben die GenossInnen in Brasilien mehr als $ 400 000 innerhalb eines Jahres aus kapitalistischen Banken enteignet; RevolutionärInnen aus Argentinien sind im Januar dieses Jahres mit $ 450 000 aus einem Bankraub davonspaziert und im letzten Februar mit $ 312 000 aus einem Überfall auf einen Geldtransporter, und die Tupamaros haben sogar eine noch höhere Ebene erreicht. Es scheint so, als wenn in Lateinamerika Enteignungen zu einer Art von Einführungstest in die Ausbildung für die Techniken des revolutionären Krieges geworden sind. (…)

Steve Brody und Humphrey Bogart

Es gibt zwei Arten von Enteignungen: die eine dient dem Überleben der RevolutionärInnen und die andere dem revolutionären Kampf. Viele Leute waren sehr schnell mit ihrer Kritik an den GenossInnen, die wegen Überfällen auf Tavernen und Clubs, die angeblich vom Lumpenproletariat und Schwarzen Leuten aus der Arbeiterklasse frequentiert werden, verhaftet wurden. Obwohl die GenossInnen gegen bekannte Drogenumschlagplätze, die von notorischen großen Drogenhändlern und nicht vom Lumpenproletariat oder gewöhnlichen Schwarzen Leuten frequentiert werden, vorgingen, wurden diese GenossInnen trotzdem Opfer einer engstirnigen Kritik. Alle möglichen Leute schienen verletzt darüber zu sein, daß RevolutionärInnen sich auf diese Ebene begeben müssen. Aber diese Kritik ist solange irrelevant, bis die KritikerInnen eine Alternative anbieten können.

Die Brothers und Sisters im Untergrund müssen sich auch genauso wie der Rest der Gesellschaft um ihr persönliches Überleben kümmern. Die meisten von ihnen sind illegal, und wenn sie nicht finanzielle Unterstützung erhalten, die normalerweise in kürzester Zeit aufgebraucht ist, sind sie gezwungen eine Steve Brody-Aktion zu machen. (Die Namen Steve Brody und Humphrey Bogart sind bei den Stick-Up Kids sehr beliebt. Die meisten Leute kennen Bogart. Steve Brody wurde dadurch berühmt, daß er auf der ganzen Welt Wetten darüber abgeschlossen hat, daß er von der Brooklyn Bridge springen könnte. Die Bedeutung einer Steve Brody-Aktion hat sich im Laufe der Jahre verändert, und niemand scheint ihren genauen Ursprung zu kennen. Aber heute bezeichnet der Begriff Brody Aktion im allgemeinen eine Aktion mit einem hohen Risikograd).

Carlos schreibt dazu: Es ist tatsächlich unmöglich für einen Stadtguerillero zu überleben, ohne sich am Enteignungskampf zu beteiligen. Bevor die Guerilleras und Guerilleros Rockefellers Geld in einer Bogart-Aktion einstecken können, müssen sie vielleicht ersteinmal eine Brody-Aktion durchführen. Schließlich muß man ja auch erst einmal krabbeln lernen, bevor man losläuft. Diese Art von Aktionen gibt den Guerilleras und Guerilleros, die sich oft gegenseitig nur flüchtig kennen, die Möglichkeit, sich mit dem Gewehr in der Hand nahezukommen und Vertrauen zueinander zu entwickeln. Viele Brothers und Sisters haben noch nie einem Bullen ein Gewehr vors Gesicht gehalten. Eine Brody-Aktion ist oft der Katalysator gewesen, der viele revolutionäre Gruppen geschaffen hat. Eine derartige Aktion schafft Vertrauen unter den Beteiligten. Alle halten sich gegenseitig den Rücken frei, und diese Aktionen sind gleichzeitig auch ein Test bei den Vorbereitungen dafür, sowohl Rockefellers Geld als auch sein Leben zu nehmen. Das ist dann aber eine Bogart-Aktion!

Es gibt durchaus auch berechtigte Kritik an Brody-Aktionen, aber unsere KritikerInnen sollten schon etwas fundierter argumentieren als Ray Charles vor einigen Jahren, als er sagte: Du mußt etwas haben, bevor Du etwas bekommen kannst aber wie Du zu ersterem kommst, ist immer noch ein Rätsel. Nun, es ist kein Rätsel mehr. Das erste bekommst Du, indem Du es Dir nimmst, egal ob es von den ausbeuterischen Händlern an der Ecke, der Bank an der Ecke oder von dem Nigger, der Drogen aus dem Koffer seines Traumautos verkauft, kommt.

Revolutionäre oder Banditen

Manchmal ist es unmöglich, zwischen den Handlungen von RevolutionärInnen und Banditen zu unterscheiden. Die Guerilleras und Guerilleros müssen sehr klare Beispiele setzen, damit die unterdrückten Massen klare Unterscheidungen machen können. Banditen machen die Überfälle aus individualistischen Gründen und für den persönlichen Gewinn. Die Guerilleras und Guerilleros machen Enteignungsaktionen, um den revolutionären Kampf zu finanzieren.

Deswegen wird die/der Guerillera/o den politischen Hintergrund ihrer/seiner Aktionen auf zwei Arten deutlich machen. Er/Sie wird sich weder zu fehlgerichteter Gewalt oder dem Abnehmen von Geld oder persönlichem Eigentum von KundInnen, die sich in der Bank befinden, hergeben. Und sie/er wird Enteignungsaktionen durch irgendeine Art der Propaganda begleiten Sprüche gegen die herrschende Klasse und den Imperialismus an die Wände schreiben oder Flugblätter verteilen, mit denen den Leuten der politische Grund für die Aktion erklärt wird.

Die Schwarze Stadtguerilla kann bei der Enteignung eines Schwarzen Drogendealers mit einer ähnlichen Situation konfrontiert sein. Die Drogen und die Profite aus diesem teuflischen Geschäft sind oft bei ihm zuhause versteckt. Das bedeutet dann, daß seine Frau und kleine Kinder bei der Aktion anwesend sind. Die Guerilleros/as müssen eine klare Kontrolle über die Situation haben, aber es darf keine unnötige Gewalt ausgeübt werden. Wenn die Bedingungen günstig sind, sollte eine spontane politische Schulung stattfinden.

Revolutionäre enteignen niemals ArbeiterInnen und das gewöhnliche Volk, sie handeln nicht gegen ihre Interessen oder fügen ihnen Schaden zu. Diese sind nur einige der Prinzipien, die die Handlungen der Schwarzen Stadtguerilleros/as bestimmen. Auf diese Art wird die Guerilla niemals die Unterstützung der unterdrückten Massen verlieren und den reaktionären Medien zum Opfer fallen.

In der endgültigen Analyse gibt es eine feine Trennungslinie zwischen Banditen und Revolutionären. Ali Alponte, der berühmte Revolutionär der Algerischen Revolution, war einmal ein Bandit gewesen. Ben Bella saß zwei Jahre für Banküberfälle auf die Banken der Kolonialmacht im Gefängnis. Patrice Lumumba saß 16 Monate wegen Überfällen auf belgische Postämter im Knast. Selbst Brother Malcolm (Big Red) war früher einmal ein Bandit gewesen. Die Reihe der Beispiele ließe sich endlos fortsetzen.

Es gibt auch taktische Gründe dafür, revolutionäre Aktionen wie Aktionen von gewöhnlichen Banditen erscheinen zu lassen. Auf diese Art haben z.B. brasilianische RevolutionärInnen Zeit gewonnen und konnten die Reaktionäre über ein Jahr lang verwirren.

Das bedeutet nicht, daß jede Schwarze Person, die eine Bank überfällt oder eine andere Art von Enteignung durchführt, ein Mitglied der Black Liberation Army ist. Aber nach allem, was wir wissen, könnte sie es sein? Vor kurzem hat John Malone, der New Yorker Direktor des FBI gesagt, daß Banküberfälle zur obersten Priorität für seine Organisation werden. Wir denken, daß diese Erklärung in direktem Zusammenhang mit der Tatsache steht, daß junge Schwarze für die Mehrzahl der Banküberfälle, die heute in diesem Land stattfinden, verantwortlich sind. Wer weiß, vielleicht nehmen sich diese Stick-Up-Kids das Geld in dem Bewußtsein über die 40 Acres und zwei Maultiere, die ihren Vorfahren versprochen wurden? Und jedesmal, wenn Brothers und Sisters den Mut haben, bis an die Zähne bewaffnet in eine Bank zu gehen und Gib’s raus sagen, sagen wir: Das ist verdammt noch mal richtig!

Revolutionäre Hinrichtungen und andere Guerilla-Aktivitäten

Der Enteignung von Geld ist sehr viel Raum gewidmet worden, weil dies das Gebiet ist, auf dem wir die meisten Schwierigkeiten erfahren haben. Ein anderes Gebiet, für das die BLA sehr heftig kritisiert wurde, sind revolutionäre Hinrichtungen, insbesondere wenn die Leben von schwarzen Polizisten ausgelöscht wurden. Viele Schwarze Leute sagen Weiter so!, wenn weiße Polizisten ausgelöscht werden, aber haben Bedenken, wenn es darum geht, gegen schwarze Polizisten vorzugehen. Der schwarze Polizist Waverly Jones machte zusammen mit seinem weißen Gegenstück Joseph Piegentini im Mai letzten Jahres die Bekanntschaft mit Revolutionärer Gerechtigkeit. Gregory Foster ereilte zusammen mit seinem Partner Rocco Laurie im Januar dieses Jahres dasselbe Schicksal. Die Bullen versuchten daraufhin, auf die Tränendrüse zu drücken, um bei den Leuten Mitleid zu verursachen.

Jeder Reaktionär versucht sich in der Taktik des Teile und herrsche. In ihrer Verzweifelung gaben hohe Polizeibeamte Sprüche wie Die BLA macht bewußt Jagd auf schwarze Polizisten als Mordopfer von sich. Dies waren fruchtlose Anstrengungen, um die Sympathien von Schwarzen Leuten zu gewinnen. Aber Revolutionäre Hinrichtungen sind nicht eine Frage von Weiß oder Schwarz. Sie sind eine Frage danach, wer die mitternachtsblaue Uniform trägt.

Eine klare Analyse des Dilemmas für schwarze Polizisten wurde in einem anonymen Brief einer Street Sister an Mrs. Jacqueline Foster (der Witwe von Gregory Foster) formuliert. Darin heißt es: Ihr Ehemann war bei den Marines, und das Marine Corps ist eine freiwillige Angelegenheit. Marines sind außerdem auch die am besten ausgebildeten professionellen Killer der US-Streitkräfte. Ihr Ehemann kam aus Vietnam nach Hause, um sich an einer anderen freiwilligen Sache (der Polizei) zu beteiligen. Und ironischerweise hat er immer noch auf der falschen Seite gekämpft.

Das Leben eines Revolutionärs/einer Revolutionärin hat den Wert von hundert Schweinen. Und so sind viele Revolutionäre Hinrichtungen Vergeltungsaktionen für GenossInnen, die von der faschistischen Polizei ermordet wurden. (Andere Revolutionäre Hinrichtungen werden aus Gründen der psychologischen Kriegsführung oder dem Nervenkrieg ausgeführt. Sie sollen zeigen, daß der Feind nicht unbesiegbar ist.) Wenn wir das als Voraussetzung nehmen, kommen wir zu dem Schluß, daß noch viel mehr Schweine mit dem Tod bestraft werden. Einige Leute werden sich fragen, wo der Zusammenhang besteht, wenn ein Brother oder eine Sister in den Straßen von Los Angeles ermordet wird, von FBI-Agenten in Florida durch einen Schuß in den Rücken getötet wird oder in den Hochsicherheitsgefängnissen von San Quentin oder Attica ermordet wird und dann ein oder zwei Leute aus der Elitegarde von Bürgermeister Lindsay auf dem Pflaster von New York City niedergestreckt werden. Andere stellen ähnliche Fragen wie der Autor eines Artikels mit dem Titel Überwachung und Gegenüberwachung in der Februar-Ausgabe von der Panther-Zeitung Right On. Darin fragt er: Handelt es sich bei den ermordeten Bullen um bestimmte Bullen, die in der Community als besonders brutale Schweine auffallen? Nein, es sind ganz gewöhnliche Bullen. Der Autor fährt dann damit fort, daß er unterstellt, bei der Hinrichtung von schwarzen Polizisten handele es sich nicht um politische Hinrichtungen, sondern um abenteuerliche Morde, die ein reines Spiel, das von Kindern und Gangstern gespielt würde, darstellten. Der Autor sieht auch Banküberfälle als etwas Negatives an, denn erstens: Das Geld ist nur Papier und wird nicht verbrannt. Zweitens: Die Schweine bekommen es in Form von Miete für die illegalen Wohnungen, Nahrungsmittel für Zellenmitglieder, Transportmittel bei Aktivitäten der Zellen … sofort wieder zurück, und drittens: Banküberfälle und Angriffe auf ganz gewöhnliche Bullen schaden den Schweinen nicht, sondern nützen ihnen, weil sie ihnen den Vorwand für eine Verschärfung der Repression bietet als ob sie einen derartigen Vorwand benötigen würden.

Diese Argumentationslinie ist eine Schande. Wir fragen uns, ob der Autor weiß, daß, unabhängig davon, ob eine Guerillera oder ein Guerillero in der Legalität oder im Untergrund operiert, Revolutionäre den ganzen Tag mit dem Tod tanzen, aber trotzdem bis zum endgültigen Sieg weiterkämpfen. Theoretisch haben wir keinerlei Widersprüche zu dem, was der Autor schreibt. Wir glauben, daß Ronald Reagan und San Quentins Knastdirektor Parks für den Mord an George Jackson ebenso wie New Yorks Gouverneur Rockefeller und seine Lakaien, die seine Befehle während des Massakers im Attica-Knast ausführten, hingerichtet werden sollten. General Roberts und einige andere sollten für ihre Beteiligung an der Verschwörung gegen Brother Malcolm und für den Angriff auf die Panther 21 aufgehängt werden. Aber auf der pragmatischen Ebene sind wir der Ansicht, daß der Autor Unsinn redet. Und in der Zwischenzeit, bis Schwarze Leute in der Lage sind, die Köpfe der Reagans, Rockefellers und Nixons zum Rollen zu bringen, halten wir uns an den alten Spruch von Brother Malcolm: Wenn Du von einer Schlange gebissen wirst, rennst Du auch nicht auf der Suche nach einer Schlange, der das Blut von den Zähnen tropft, durch den Wald. Jede x-beliebige Schlange tut es auch. Genauso ist es heute auch.

Schwarze RevolutionärInnen haben keine Distanz zum Nationalismus, aber wir wissen auch um seine Fallstricke. Als eine Nation sind wir mit vielen internen Widersprüchen konfrontiert. Es gibt Schwarze, die Schwarze ausbeuten, Schwarze, die Drogen an Schwarze verkaufen und schwarze Polizisten, die Schwarze ermordern alles im Dienste unserer Unterdrücker. Wir reden hier hauptsächlich über den schwarzen Polizisten, der mit einigen harten internen und äußeren Widersprüchen konfrontiert ist. Der Kampf um die Schwarze Befreiung wird gerade auf eine höhere Ebene gebracht, und in der Zeit, die der gute Cop benötigt, um sich zu entscheiden, muß er sich an allen Fronten gut umgucken. (Am 8. März 1972 wurde in Detroit ein schwarzer Polizist von seinen schwarzen Kollegen erschossen und drei andere schwer verletzt. Die schwarzen Polizisten von STRESS dachten, daß die schwarzen Polizeioffiziere Spieler seien, und die Offiziere dachten, daß die STRESS-Teams (STRESS: Stoppt die Raubüberfälle Für sichere Straßen) für die Ermordung von 12 Menschen, davon 11 Schwarze, verantwortlich seien). Entweder stellen schwarze Cops ihre Waffen den Bedürfnissen ihres Volkes zur Verfügung, oder sie setzen sich dem Zorn des Volkes aus. Die Entscheidung liegt bei ihnen.

Wer und was ist die Black Liberation Army?

Viele Leute fragen, wer und was ist die Black Liberation Army ? Wir sind kleine Stadtguerillaeinheiten, die den bewaffneten Kampf gegen die Agenten des Todes führen die US-Regierung in Babylon. Wir sind Nigger, die der defensiven Haltung der Vergangenheit müde geworden sind. Wir haben uns dazu entschieden, aufzustehen, und sind endlich zu dem Schluß gekommen, daß die beste Verteidigung eine gute Offensive ist. Wir sehen den Guerillakampf als eine noch unterentwickelte Form einer Nationalen Befreiungsarmee- an. Wir sind das Gegenstück Babylons zu den Tupamaros in Uruguay, der FRELIMO in Mosambik oder der NFL in Vietnam. Mit anderen Worten: wir sind die rudimentäre Form einer Volksarmee.

Nur weil wir nicht in der legalen politischen Arena auftreten, heißt das noch lange nicht, daß wir ein Haufen unpolitischer Mörder und Krimineller sind, wie es die Schweine behaupten. Im Gegensatz zur Kritik an uns sind wir keine orthodoxen KommunistInnen, und einige von uns sind noch nicht einmal Marxisten-Leninisten. Wir sind hier im Herzen der imperialistischen Bestie mit einer völlig anderen Situation konfrontiert und Orthodoxie, schreibt Carlos Marighella, gehört zur alten Religion. Unsere Politik und unsere Disziplin unterscheidet uns von den legalen politischen Organisationen.

Die verschiedenen Guerillagruppen sind autonom und dezentralisiert und müssen nicht auf die Befehle eines Oberkommandos warten. Es gibt keine PolitkommissarInnen in diesen Guerillagruppen, noch haben wir charismatische Superstar-FührerInnen, die die Politik aus der Entfernung steuern. Bei der BLA geht es nicht darum, daß eine geheime Botschaft aus der Legalität kommt, die einer Guerillagruppe befiehlt, das Zielobjekt A oder B anzugreifen. Unsere Führung ist eine kollektive Führung. Unabhängig davon, ob die Aufgabe das Einsammeln einer revolutionären Steuer bei einer Bank oder ein Schwein mit dem Tod zu bestrafen ist wir setzen uns alle gemeinsam zusammen, der/die AnführerIn eingeschlossen. Wir beziehen uns auf taktische und strategische Prinzipien und nicht auf Persönlichkeiten. Unsere einzige Verpflichtung ist es, zu handeln.

Die Führungsfrage hat zu viel Verwirrung in bezug auf die Fokus-Theorie geführt. Die Schweine sind auf jeden Fall verwirrt. (Foco bedeutet einfach der zentrale Aktionspunkt. Sobald dieses Handlungszentrum gefunden und in Aktion getreten ist, wird es nach der Theorie zu der bewegenden Kraft der Revolution, und die unterdrückten Massen werden zur Waffe greifen und bis zum endgültigen Sieg kämpfen). In Lateinamerika favorisierten Che und Debray die Landguerilla als den Foco. Marighella brachte die Aktionen in die großen Industriezentren von Brasilien, und die Stadtguerilla wurde zum Foco. In Babylon sind normalerweise Schwarze der Foco, personifiziert durch aufstrebende charismatische FührerInnen, z.B. Elijah Muhammad, Brother Malcolm, Huey Newton, Eldridge Cleaver, Fred Hampton, George Jackson. Das erklärt auch, warum sich die Aktionen ständig von den Straßen in die Knäste verlagerten.

Die Schweine beziehen sich auch sehr stark auf die Foco-Theorie, und weil sie dieses Steorotyp der FührerInnen bei uns nicht mehr finden können, sagen sie, daß die Black Liberation Army führungslos sei. Das ist gelogen! Unsere FührerInnen sind die erfahrensten Brothers und Sisters unter uns oder erfahrene Guerilleros und Guerilleras, die schon in bewaffneten Auseinandersetzungen gekämpft haben.

Die Stadtguerilleras und -guerilleros sind genauso besorgt über Ausbeutung, Drogen, schlechten Wohnraum und andere Probleme unserer Communities wie die legalen politischen KämpferInnen. Aber es ist notwendig geworden, uns mit diesen Problemen auf einer anderen Ebene auseinanderzusetzen. Die Ausbeuter hinterlegen ihr Blutgeld bei den kapitalistischen Banken, und die Revolutionäre gehen zu den Banken und heben das Geld wieder ab. Die Revolutionäre werden nicht abwarten, bis wieder ein achtjähriges Kind bewußtlos wird, bevor sie gegen einen Drogenhändler vorgehen. Und wenn ein Baby an Lungenentzündung stirbt, sind die Guerilleras und Guerilleros der Überzeugung, daß der Hausbesitzer die angemessene Strafe erhalten sollte.

Die BLA versteht die Wichtigkeit einer politischen Massenbewegung. Wir sehen die Welt nicht nur von einem rein militärischen Gesichtspunkt und unterstreichen die Notwendigkeit für den Aufbau einer starken Einheitsfront. Aber wir müssen zu deren Aufbau etwas anderes beitragen. Die politischen Strukturen werden sich mit den bürgerlichen Nationalisten und den Stammesbürokraten im Kampf um eine Einheitsfront auseinandersetzen. Für uns ist die Einheitsfront eine revolutionäre Handlung und nichts anderes. Darüber hinaus kann eine Massenfront nicht lang ohne bewaffneten Kampf überleben. Es wäre so, als wenn das Volk die Befreiung ohne eine Befreiungsarmee gewinnen würde.

Wer sind wir? Wir sind SchülerInnen des Lebens, Väter und Mütter, Brothers und Sisters. Bewaffnete DichterInnen und Geliebte/r. Wir sind ArbeiterInnen und Arbeitslose. Wir sind die AusbrecherInnen und FreigängerInnen aus den Kerkern Babylons, die wegen eines bewaffneten Überfalls auf ein Schwein gefangengenommen wurden. Wir sind ehemalige GIs (Söldner), die die Technik der modernen Kriegsführung gelernt haben. Aber jetzt haben wir unsere Gewehre gegen die wahren Feinde des Volkes gerichtet.

Wir können in Harlem, Bedford-Stuyvesant, Watts, Hunts-Points und allen Orten dazwischen angetroffen werden einen Wein an der Ecke trinkend oder den Junkies gegenüber dem Polizeihauptquartier zunickend. Mit anderen Worten wir sind ganz einfache, gewöhnliche Nigger; oder der neue Schwarze Mann und die neue Schwarze Frau! aus allen Lebenssituationen.

Es gibt noch viele andere Guerillaaktionen, zu denen wir nichts gesagt haben: Entführungen, Flugzeugentführungen von kommerziellen Flugzeugen, Terrorismus, etc. … Wir haben dazu nichts gesagt, weil wir bis auf wenige Ausnahmen keine Aktionen in diesen Bereichen durchgeführt haben. Aber das bedeutet nicht, daß wir das ausschließen. Wir haben auch nicht die Möglichkeit eines ländlichen Guerillakrieges ausgeschlossen, denn wir wissen, daß 50% unseres Volkes immer noch in den ländlichen Gebieten des Südens lebt. Und wir haben die Absicht, beide Kräfte zu vereinen.

Wie wir schon vorher ausgeführt haben, sind viele Fehler gemacht worden. Aber wie Carlos Marighella gesagt hat: Es ist besser, falsch zu handeln als aus Angst, etwas falsch zu machen, nichts zu tun. Nicht alle Schwarze und andere Dritte-Welt-Völker in Babylon werden die nötigen Opfer bringen, um die völlige Befreiung der Menschen zu erreichen. Aber wenn Du der Revolution nicht helfen willst, dann solltest Du ihr nicht im Weg stehen.
An alle unsere gefangenen GenossInnen: The Indian, Radio Mouth, The Ashman und The Doctor, The Mad Poet und Nine und viele andere Brothers und Sister, die hier aus offensichtlichen Gründen nicht genannt werden zusammen mit unseren GenossInnen im politischen Exil senden wir Euch revolutionäre Grüße. Und wir hoffen, Euch alle sehr bald auf dem Schlachtfeld zu sehen!

Tod der herrschenden Klasse in den USA!
Tod allen ihrer Lakaien und Komplizen!
Sieg der Befreiung von Babylon!

Mitglieder der Black Liberation Army, März 1972

Die Übersetzung und die Anmerkung sind entnommen aus dem Buch BLACK POWER

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Was wir wollen und woran wir glauben

1. Wir wollen Freiheit. Wir wollen die Macht, um das Schicksal unserer schwarzen Gemeinschaft selber zu lenken.

Wir sind überzeugt, daß Schwarze nie frei werden, bis wir unser Schicksal selber lenken können.

2. Wir wollen volle Beschäftigung für unser Volk.

Wir glauben, daß die Bundesregierung verantwortlich und verpflichtet ist, jedem Mensch eine Arbeit zu schaffen oder ein Einkommen zu garantieren. Wir glauben, daß, wenn die weißen amerikanischen Kaufleute keine Vollbeschäftigung wollen, dann sollten ihnen die Produktionsmittel weggenommen und der Gemeinschaft übertragen werden, damit sich Mitglieder der Gemeinschaft organisieren und Vollbeschäftigung und einen hohen Lebensstandard schaffen können.

3. Wir wollen ein Ende des Ausplunderns der schwarzen Gemeinschaft durch die Weißen.

Wir wissen, was diese rassistische Regierung uns geraubt hat, und fordern nun die ausstehenden Schulden von vierzig Morgen Land und zwei Maulesel. Vierzig Morgen Land und zwei Maulesel wurden vor 100 Jahren als Wiedergutmachung für die Sklavenarbeit und den Massenmord an dem schwarzen Volk vereinbart. Die Zahlung, die unter den vielen verschiedenen Gemeinden zu verteilen ist, akzeptieren wir in bar. Gegenwärtig unterstützen die Deutschen die Juden in Israel als Wiedergutmachung für die Genozid an dem jüdischen Volk. Die Deutschen ermordeten über sechs Millionen Juden. Der nordamerikanische Rassist nahm teil an dem Abschlachten von fünfzig Millionen schwarzen Menschen; daher glauben wir, daß dies eine bescheidene Forderung ist.

4. Wir wollen anständige menschenwürdige Wohnungen.

Wenn die weißen Hausbesitzer unserer schwarzen Gemeinschaft keine anständige Wohnungen bieten wollen, denn sollten die Häuser samt Land in Kooperativen verwandelt werden, damit unsere Gemeinschaft mit Bundesmittel anständige Wohnungen für ihre Mitglieder bauen kann.

5. Wir wollen ein Erziehungssystem für unser Volk, das den wahren Charakter dieser dekadenten amerikanischen Gesellschaft entlarvt. Wir wollen eine Erziehung, die uns unsere wahre Geschichte und unsere Rolle in der heutigen Gesellschaft lehrt.

Wir vertrauen in ein Erziehungssystem, das unserem Volk das Wissen über seinen Werdegang vermittelt. Hat ein Mensch kein Wissen über sich selber und seine Rolle in der Gesellschaft und in der Welt, dann hat er kaum Chance, ein Bezug zu etwas anderem herzustellen.

6. Wir wollen die Befreiung aller schwarzen Männer vom Militärdienst.

Wir sind der überzeugung, daß schwarze Menschen nicht gezwungen werden sollten, in einem Militär zu dienen, um eine rassistische Regierung zu verteidigung, die uns nicht schützt. Wir werden nicht Menschen anderer Hautfarbe, die auch wie schwarze Menschen Opfer der weißen rassistischen amerikanischen Regierung sind, bekämpfen und töten. Wir werden uns mit den notwendigen Mitteln vor der Macht und Gewalt der rassistischen Polizei und des Militärs verteidigen.

7 . Wir wollen ein sofortiges Ende der POLIZEIBRUTALITÄT und des MORDES an schwarzen Menschen

Wir können die Polizeibrutalität in der schwarzen Gemeinschaft beenden, indem wir schwarze Selbstverteidungsgruppen, die sich verpflichten, unsere schwarze Gemeinschaft vor rassistischer Polizeiunterdrückung und -brütalität zu verteidigen, organisieren.Das Zweite Nachtragsgesetz zur Verfassung der Vereinigten Staaten gibt uns das Recht, Waffen zu tragen. Deswegen glauben wir, daß sich alle schwarzen Menschen zur Selbstverteidigung bewaffnen sollten.

8. Wir wollen die Freilassung aller schwarzen Männer aus denn Gefängnissen.

Wir glauben, daß alle schwarzen Menschen aus den vielen Gefängnissen und Zuchthäusern entlassen werden sollten, weil sie kein faires und gerechtes Verfahren hatten.

9. Wir wollen, daß schwarze Menschen, wenn ein Gerichtsverfahren gegen sie eröffnet wird, vor Geschworenen ihresgleichen oder von Mitglieder ihrer Gemeinschaft angeklagt werden, wie die Verfassung der Vereinigten Staaten es vorsieht.

Wir glauben, daß die Gerichte der Verfassung der Vereinigten Staaten folgen sollten, damit schwarze Menschen eine faire Verhandlung bekommen. Das 14. Zusatzgesetz der amerikanischen Verfassung gibt einem Menschen das Recht, von Geschworenen seinesgleichen gerichtet zu werden. Seinesgleichen ist eine Person mit ähnlichem wirtschaftlichen, sozialen, religiösen, geografischen, sozialen , historischen und ethnischen Werdegang. Um dies zu gewährleisten, wird das Gericht gezwungen, die Geschworenen aus derselben schwarzen Gemeinschaft, aus der der Angeklagte stammt, zu benennen. Wir wurden, und werden immernoch von weißen Geschworenen, die den „durchschnittlich logischdenkenden Menschen“ der schwarzen Gemeinschaft verstehen, gerichtet.

10. Wir wollen Land, Brot, Wohnungen, Bildung, Kleidung, Recht und Gerechtigkeit.

Und als politisches Hauptziel wollen wir ein von den Vereinten Nationen überwachtes Plebiszit, das in allen Teilen der schwarzen Kolonie abgehalten wird, und an der nur schwarze kolonialisierten Untertanen teilnehmen dürfen, um den Willen des schwarzen Volkes hinsichtlich seines nationalen Schicksals festzustellen.

Sollte es für ein Volk im Laufe der Zeit notwendig werden, die politischen Bindungen, die es mit einen anderen Volk verbindet, zu lösen und getrennte und gleichberechtigte Positionen unter den Völkern der Erde, zu der die natürlichen Gesetze und Gott ihn berechtigen, einzunehmen, so erfordert es die Hochachtung vor den Ansichten der Menschheit, daß das Volk die Ursache, welche zur Trennung zwingt, ausspricht.

Wir halten folgende Wahrheiten für selbsverständilich: daß alle Menschen gleich sind; daß sie von ihrem Schöpfer bestimmte unveräußerliche Rechte bekamen, u.a. das Leben, Freiheit und Selbstbestimmung. Um diese Rechte zu sichern, werden Regierungen institutionalisiert, die ihre gerechte Macht von der Zustimmung ihrer Mitbürger ableiten. Sollte irgendeine Regierungsform diesen Zielen zuwiderlaufen, dann ist es das Recht des Volkes, sie zu Ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierungsform zu schaffen, basierend auf solchen Prinzipien, und ihre Macht so zu gestalten, wie es ihm zu seiner Sicherheit und Selbstbestimmung am geeignetsten erscheint. Tatsächlich wird die Vernunft bestimmen, daß alte bewährte Regierungsformen nicht aus scheinheilichen, oberflächlichen Gründen geändert werden; dementsprechend hat die Erfahrung gezeigt, daß die Menschheit eher dazu neigt zu leiden, weil das Übel erträglicher ist, als sich aufzurichten und die bestehende Regierungsform abzuschaffen. Aber, wenn eine lange Kette von Unterdrückung und Machtmißbrauch, die in der Regel die gleiche Absicht haben, offenkundig in Tyrannei enden wird, dann hat das Volk das Recht, sogar die Pflicht, zur eigenen Sicherheit diese Regierungsform abzuschaffen und eine neue zu schaffen.

Black Panther Party, Oktober 1966

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